DAS ABFALLEN VON BEKENNERN - Bibelbetrachtung

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DAS ABFALLEN VON BEKENNERN

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Die holländische Originalausgabe erschien unter dem Titel KUNNEN GELOVIGEN NOG VERLOREN GAAN? im Verlag H. Medema, NL-8170 AC Vaassen S.  Die Bibelstellen werden nach der im R. Brockhaus Verlag, Wuppertal,
erschienenen „Elberfelder Übersetzung" in nicht revidierter Fassung angerührt. © 1986 der deutschsprachigen Ausgabe by Christliche Schriftenverbreitung, D-5609 Hückeswagen
2. Auflage 1986 Die erste Auflage erschien 1979 mit dem Titel WIEDERGEBOREN - IN EWIGKEIT ? Aus dem Holländischen übersetzt von H. J. Druse Umschlaggestaltung: H. Klaewer Umschlagfoto: W. Mauerhofer Satz: Dönges -Druck KG, Dillenburg Druck und Verarbeitung: Ebner Ulm Printed in Germany

DAS ABFALLEN VON BEKENNERN

Der Titel dieses Büchleins lautet nicht: Kann jemand, der bekennt, ein Christ zu sein, oder der sich als gläubig ausgibt, noch verloren gehen? Letzteres ist nicht nur möglich, vielmehr werden alle, die nur Namenchristen waren, tatsächlich die Ewigkeit in der äußersten Finsternis zubringen. Das Wort aus dem Mund des Herrn selbst ist hier entscheidend: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!" (Matthäus 7, 21-23).
Diese Menschen, von denen der Herr Jesus hier spricht, sind weder Heiden noch Ungläubige und auch nicht Menschen, die mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben wollen. Das kann gar nicht so sein, denn sie bezeichnen ja Christus als ihren Herrn und sind sogar in christlicher Arbeit sehr eifrig. Dass sie trotzdem verloren gehen können, geht aus dem zitierten Schriftwort klar hervor. Wir wollen besonders beachten, dass Jesus nicht sagt: „Ich habe euch zwar gekannt, kenne euch aber jetzt nicht mehr", sondern sein vernichtendes Urteil über diese Namenchristen lautet: „Ich habe euch niemals gekannt!" Diese Menschen haben also nie zu den Seinen gehört! Zur Errettung ist mehr nötig, als nur „Herr, Herr" zu sagen. Dazu muss
S. man den Willen des Vaters tun. Aber gerade das steht hier nicht an erster Stelle, sondern „weissagen", „Dämonen austreiben" und „beschäftigt sein mit christlicher Arbeit". Die Pharisäer fragen: „Was sollen wir tun, damit wir die Werke Gottes wirken?" und erhalten die Antwort: „Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat" (Johannes 6, 28 & 29). Das Thema lautet daher nicht: Können Bekenner oder christliche Arbeiter wieder abfallen, sondern vielmehr: Können Wiedergeborene noch verloren gehen?

Wer ist ein Wiedergeborener?

Die erste Frage, die wir zu beantworten haben, lautet: Wer ist ein Wiedergeborener, ein wahrer Gläubiger?
Zuerst wollen wir feststellen, dass jemand, der gläubige Eltern hat, eine christliche Erziehung genossen und sich auch noch einer christlichen Gemeinschaft angeschlossen hat, nicht unbedingt wiedergeboren ist. Er kann es auch allein aufgrund dieser drei Tatsachen nicht werden. Selbst wenn er die Auffassung, dass es keinen Gott, keinen Himmel, keine Hölle und kein Jenseits gibt, als unhaltbar verworfen hat und anerkennt, dass es wirklich einen Gott gibt, der uns einmal wegen unserer Taten zur Rechenschaft ziehen wird, ist er nicht unbedingt wiedergeboren!
Ein solcher Mensch kann wohl sagen: „Ich bin gläubig, denn ich glaube an die Existenz eines allmächtigen Gottes." Aber dieser Glaube macht ihn noch nicht zu einem Gläubigen im biblischen Sinn. Die Dämonen glauben nämlich auch an die Existenz Gottes und, so fügt der Apostel Jakobus hinzu, sie zittern.
Unter einem Gläubigen, einem wiedergeborenen Christen, versteht die Heilige Schrift jemanden, der in aufrichtiger Reue sich vor Gott als Sünder erkannt hat und im Glauben angenommen hat, dass Jesus Christus für ihn und seine Sünden am Kreuz gestorben ist. Es geht bei unserer Abhandlung um die Frage, ob ein in diesem Sinne Wiedergeborener noch verloren gehen kann.

Wer glaubt, hat ewiges Leben. Aber was bedeutet das?

Ich möchte es ganz deutlich machen, dass die Frage nicht einfach beantwortet werden kann, indem man einen Bibeltext wie Johannes 3,36 zu Hilfe nimmt: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben." Es geht ja hier nicht um die Frage, ob jemand, der glaubt, ewiges Leben hat, sondern ob der Glaubende von diesem Glauben abfallen und damit das ewige Leben wieder verlieren kann. Wir haben deshalb nachzuweisen, dass jemand, der in biblischem Sinne glaubt, errettet ist und errettet bleibt, was immer auch geschehen mag. Dabei müssen wir unser Gefühl und ganz besonders unsere Vernunft den Aussagen des Wortes Gottes unterordnen.

Nichts kann uns scheiden . . .

Als erste Schriftstelle möchte ich Römer 8, 38 & 39 anführen:
„Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn."
In diesen Versen gibt Paulus eine Antwort auf die Frage, die in Vers 35 steht: „Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi?" Mit „uns" sind, wie Vers 33 zeigt, Gottes Auserwählte gemeint. Die zitierten Verse zeigen, dass nichts und niemand die Menschen, die Gott auserwählt und denen er seine Liebe in Christus erwiesen hat, von der Liebe Gottes scheiden kann. Die Antwort ist deutlich und allumfassend. Da kann es auch nicht den geringsten Zweifel geben.
Ist nicht in dem Ausdruck „weder Tod noch Leben" alles das Inbegriffen, was einen Einfluss ausüben kann? Weder Tod noch Leben kann uns von der Liebe Gottes scheiden. Auch in der Welt der Geister gibt es keine Macht: „weder Engel noch Fürstentümer". Nach Epheser 6, 12 können wir annehmen, dass mit „Fürstentümer" die mit Satan abgefallenen Engel und mit „Engeln" die nicht abgefallenen Geister gemeint sind. Jemand sagte es einmal so: „Es gibt also nichts, was gute Engel tun wollten und was böse Engel tun könnten, das uns von der Liebe Gottes scheiden kann." Aber Paulus sagt noch weiter: „weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges". Kann man sich irgendein Ereignis oder eine Erfahrung vorstellen, die nicht unter den Begriff „Gegenwärtiges und Zukünftiges" fällt? Auch diese können uns also nicht von der Liebe Gottes scheiden. Dann fährt der Apostel fort: „Noch Gewalten" - welche auch immer -weder Höhe" - also nichts im Himmel -noch Tiefe" - auch nichts im Totenreich - „noch irgend ein anderes Geschöpf kann uns von der Liebe Gottes scheiden." Diese Verse zeigen, dass der Gläubige in den Händen Gottes auf ewig geborgen ist.

Ja, aber . . .
Gegen diese Feststellung könnte man einwenden: „Es ist wahr, das alles kann uns nicht von der Liebe Gottes scheiden, solange wir glauben, aber Unglaube in uns bewirkt doch Scheidung von der Liebe Gottes!"

Gehört der Unglaube nicht zu dem Bereich „weder Tod noch Leben"? Wenn es nicht zum „Tod" gehört, dann doch sicher zum „Leben"! Offenbart sich der Unglaube nicht in diesem Leben? Gehört der Unglaube nicht auch zum „Gegenwärtigen oder Zukünftigen"? Er tritt doch in der Gegenwart auf! Dieser Einwand ist damit entkräftet. Aber dazu ist noch mehr zu sagen. Wenn wir die Verse 38 und 39 richtig verstehen wollen, müssen wir sie im Zusammenhang sehen. Der Apostel hat gezeigt, dass: „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind" (Vers 28). Danach haben nicht wir den ersten Schritt auf Gott zu getan. Nicht wir haben ihn zuerst geliebt. Gott hat sich nach uns umgesehen und uns nach seinem ewigen Vorsatz berufen. Das Heil geht also von Gott aus. In den folgenden Versen wird dieser Gedanke weiter ausgeführt:
„Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht"  (Vers 29 + 30).  Aus uns selbst heraus lieben wir Gott nicht, ja, suchen ihn noch nicht einmal. Es ist Gott, der bereits seit langem Gedanken des Friedens mit uns hatte. Es ist Gott, der uns durch das Evangelium gerufen und gerechtfertigt hat. Es ist Gott, der uns verherrlichen wird und dies im Prinzip bereits getan hat. Diese Tatsache hat Paulus vor Augen, als er ausruft: „Was sollen wir nun hierzu sagen?" Und darauf führt er vier wichtige Fragen an:
1.   Wenn Gott für uns ist, wer wider uns? Antwort: Gott, der seinen eigenen Sohn nicht geschont hat, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, wird uns mit ihm auch alles schenken.
2.  Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Antwort: Gott ist es, der rechtfertigt.
3.   Wer ist, der verdamme?
Antwort:  Christus, der gestorben und auferweckt ist, verwendet sich für uns!

4.   Wer wird uns von der Liebe Christi scheiden?
Antwort:   Nichts, weder Verfolgung noch Hungersnot u s w... Denn in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.
Kurzum:  Niemand kann gegen den Gläubigen sein, niemand kann ihn beschuldigen, niemand kann ihn verurteilen und nichts kann ihn von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, scheiden.
Dieser Abschnitt spricht von der völligen Geborgenheit und Sicherheit der Kinder Gottes. Dabei ist es wichtig, dass wir besonders beachten: hier wird nicht von uns als Gläubigen gesprochen, sondern als Auserwählten.
Die Lehre von der Auserwählung ist für das Kind Gottes die feste Grundlage für die Unumstößlichkeit seiner ewigen Errettung! Wie diese Lehre damit übereinstimmt, daß der Sünder verantwortlich ist, sich zu bekehren, ist eine andere Sache. Dieses Problem brauchen wir hier nicht zu lösen.
Derselbe Apostel Paulus, der bei der Verkündigung des Evangeliums die Sünder vor die Verantwortung stellt, sich zu bekehren, unterrichtet die Gläubigen in der Lehre des Heils, dass die Errettung Gottes Sache ist, weil er sie auserwählt hat. Genau das sollten wir auch tun!

Niemand kann sie aus meiner Hand rauben

Einen zweiten Hinweis auf die Unumstößlichkeit der Errettung finden wir in Johannes 10, 27-30:Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins."
Den Menschen, die zwar „Herr, Herr" rufen, aber Christus nicht wirklich angehören, wird am Tag des Gerichts gesagt: „Ich habe euch nie gekannt." Von seinen Schafen sagt der Herr Jesus jedoch: Ich kenne sie. Kann er dann später zu einem solchen Schaf sagen, er habe es nie gekannt? Dieses Argument ist auch dann noch stichhaltig, wenn man den Rest dieser Schriftstelle so auslegt, wie die Anhänger der Lehre vom Abfallen es tun. Christus sagt: „sie gehen nicht verloren"; sie erwidern: „das gilt natürlich nur so lange, wie sie Schafe bleiben." Christus sagt: „Niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben." Dagegen wenden sie ein: „Aber sie können sich doch durch Unglauben dieser Hand entziehen."
Das hat nichts mehr mit Schriftauslegung zu tun. Hier wird eine menschliche Schlussfolgerung dem klaren Wort Gottes gegenübergestellt. Aber unterstellen wir einmal einen Augenblick, dass diese zurechtgebogene Schlussfolgerung zulässig sei. Kann der Herr dann zu den Schafen seiner Herde, die er einmal kannte, sagen: „Ich habe euch niemals gekannt?" Unmöglich!

Durch ein Opfer für immer vollkommen gemacht
Auf welcher Grundlage ruht die ewige Errettung des Gläubigen? Unsere dritte Schriftstelle gibt dies an: „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden" (Hebräer 10, 14). Der Schreiber des Hebräerbriefes stellt das einmalige Opfer Jesu Christi den sich immer wiederholenden Opfern im Zeitalter des Gesetzes gegenüber. Ein Israelit konnte nicht behaupten, dass durch ein einziges Opfer die Sache zwischen ihm und Gott für immer geordnet und das Problem der Sünde aus dem Weg geräumt worden sei (Hebräer 10, 2). Die Priester in Israel kamen daher auch nicht zur Ruhe. Sie saßen nicht, sondern standen immer zum Dienst bereit             (Vers 11). Für den Gläubigen des Zeitalters der Gnade gilt jedoch:
Durch welchen Willen (Gottes Willen nämlich) wir geheiligt sind durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi" (Hebräer 10, 10).
Von Jesus Christus wird bezeugt, dass er sich zur Rechten Gottes gesetzt hat. Aufgrund dieses einmaligen und vollkommenen Opfers sind die Gläubigen, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht. Wie lange sind sie vollkommen gemacht? Solange sie glauben? Nein, für immer vollkommen gemacht! Wenn jemand lehrt, dass die Heiligen*) wieder abfallen können - mit der Konsequenz, dass sie sich jedes Mal wieder neu von einem Sünder zu einem Kind Gottes bekehren müssen - degradiert er damit den Wert des Opfers Jesu Christi zu dem Wert der Opfer von Stieren und Böcken. Das beabsichtigt man natürlich nicht, aber das ist die Konsequenz aus dieser Lehre.

Und unsere zukünftigen Sünden?

Wir wollen hierauf noch etwas weiter eingehen. Welche Vorstellung haben die Anhänger der Lehre vom Abfallen eigentlich von der Rettung eines Sünders?
Lassen wir einmal einen Mann zu Wort kommen, der eine Zeit lang diese Lehre vertrat. Es ist der amerikanische Evangelist Ironside. Er sagt: „Als ich mich bekehrt hatte, dachte ich, alle meine Sünden, die ich von dem Zeitpunkt an, wo Gott mich für verantwortlich hielt, bis zu dem Augenblick, in dem ich mein Vertrauen auf den Herrn Jesus setzte, begangen hatte, seien weggetan. Gott ließ mich neu anfangen, und wenn ich nun das Blatt meines Lebens bis an mein Lebensende rein hielte, dann würde ich in den Himmel kommen. Wenn ich es aber nicht rein hielte, würde ich aufhören, ein Christ zu sein und müsste mich dann wieder von neuem bekehren. jedes Mal, wenn ich mich neu bekehrte, ruhte die Vergangenheit unter dem Blut Jesu, aber für die
•) Zu dem Begriff „Heilige" vgl. die Erläuterungen auf Seite 52.

Zukunft sei es meine Sache, mein Lebensblatt rein zu halten." Er fügt noch hinzu: „Was ist das doch für eine Gott entehrende Auffassung von der Versöhnung! Wenn nur die Sünden vor meiner Bekehrung durch das Blut Christi gesühnt wurden, wie konnten dann die Sünden gesühnt werden, die ich nach der Bekehrung tat und vor Gott bekannte? Der einzige Grund für Gott, die Sünden zu vergeben, ist das Blut Christi. Sein Blut wurde ein für allemal am Kreuz vergossen, und dadurch wurde meine Sache mit Gott ein für allemal geordnet."

Christus starb nicht nur für die Sünden, die wir vor unserer Bekehrung begangen haben, sondern auch für die Sünden, die wir noch begehen werden. Als Christus unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Holz trug, handelte es sich da nicht eigentlich nur um zukünftige Sünden?

Ein Freibrief zum Sündigen?

Ist das nicht ein gefährlicher Standpunkt, der uns geradezu einen Freibrief zum Sündigen in die Hand gibt? Keineswegs! Jeder, der das Kreuz verwirft, wird einmal für alle seine Sünden vor Gott Rechenschaft abzulegen haben. Er wird gerichtet nach seinen Werken. Gott wird dann sein Richter sein, der das Urteil durch seinen Sohn Jesus Christus ausführt. Wer jedoch Jesus Christus als seinen Heiland angenommen hat, dessen Verantwortlichkeit als Sünder Gott gegenüber hat ein Ende gefunden. Seine Sünden stehen nicht mehr zwischen ihm und Gott. Er ist ein Kind Gottes geworden.
Aber nun beginnt die Verantwortlichkeit des Kindes seinem himmlischen Vater gegenüber. Wenn ein Kind Gottes sündigt, wird Gott sich wegen dieser Sünde mit ihm beschäftigen. Nicht als Gott, der Richter, sondern als Gott, der Vater. Dann gilt die alte Spruchweisheit: „Kindern Gottes kommt das Sündigen teuer zu stehen." Ich kann hierauf nicht ausführlich eingehen, sondern möchte nur aufzeigen, welche Folgen ein sündiger Wandel für ein Kind Gottes hat:
Es verliert die Freude des Glaubens und wird vielleicht sogar seiner ewigen Errettung nicht mehr gewiss sein, wenn es auch errettet bleibt.
Es verliert die Gemeinschaft mit den Geschwistern und fällt unter die Zucht der Versammlung.
Es kommt unter die Erziehung des Vaters, der sein Kind durch Züchtigung von seinem verkehrten Weg zurückbringen will.
Für die ganze Zeit, in der es in der Sünde lebt, verliert es den Lohn, den Gott ihm zuteilen wollte. Errettet zu sein ist eine Sache, Lohn zu empfangen eine andere. Das zeigt
1. Korinther 3, 14 und 15 sehr deutlich.
Nur wer wirklich ein Kind Gottes ist, fühlt den Ernst dieser Dinge und begreift, dass Sündigen es teuer zu stehen kommt. Jedenfalls wird die Liebe Gottes, die in sein Herz gegossen ist, ihn nicht mit einem unbeschwerten Gewissen den Weg der Sünde weitergehen lassen. Der Einwand: „Einmal gerettet, für immer gerettet, dann kann man ja drauflos leben", ist nicht die Sprache des Glaubens, sondern die Sprache des Fleisches.


Der, welcher ein gutes Werk in euch angefangen hat

Nach diesem Exkurs wollen wir wieder auf unsere Beweisrührung zurückkommen. Als vierte Bibelstelle weise ich auf Philipper 1, 6  hin: „Ich bin in guter Zuversicht, dass der, welcher ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollführen wird bis auf den Tag Jesu Christi" und 1. Korinther 1, 8:
„Jesus Christus, welcher euch auch befestigen wird bis ans Ende, dass ihr untadelig seid an dem Tage unseres Herrn Jesus Christus."
Wer der Meinung ist, der Gläubige könne wieder verloren gehen, beruft sich häufig auf die Schriftstelle: „Wer aber ausharrt bis ans Ende, dieser wird errettet werden"  (Matthäus 24, 13).
Dabei unterstellt man aber, dass es Gläubige gibt, die nicht ausharren und deswegen verloren gehen. Diese Schlussfolgerung ist falsch, doch darüber später mehr. In beiden Stellen wird nicht über unser Durchhalten oder Ausharren, sondern über Gottes Durchhalten und das des Herrn Jesu gesprochen. Das Werk der Bekehrung und der Glaube in unserem Herzen wird hier nicht als unser Werk, sondern als das Werk Gottes angesehen, und damit berühren wir den Kernpunkt der ganzen Frage.
Bei der Verkündigung des Evangeliums stellt Gott den Menschen vor die Verantwortung, die Botschaft des Heils anzunehmen. Da heißt es: „Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst" (Offenbarung 22, 17). Ein Evangelist sollte die Errettung des Menschen immer so vorstellen, dass deutlich wird, dass die Verantwortung allein beim Sünder liegt. Viele Menschen, denen die Verkündigung des Evangeliums sehr am Herzen liegt, vergessen jedoch oft, dass es auch die Kehrseite dieser Medaille gibt: die Errettung eines Sünders ist das Werk Gottes.
Wir können mit unserem beschränkten menschlichen Verstand diese beiden Dinge nicht miteinander in Übereinstimmung bringen. Beide haben wir im Glauben anzunehmen. Leider ist man dazu nicht immer bereit. So kann es zu zwei gegensätzlichen, aber sehr einseitigen Auffassungen kommen. Die mehr evangelistisch Ausgerichteten legen die Betonung allein auf die Verantwortung des Sünders, sich zu bekehren, und machen damit die Errettung zu einer Sache des Menschen. Dabei lassen sie natürlich stehen, dass Christus dafür am Kreuz sterben musste. Andere schalten die menschliche Verantwortung aus und sagen: „Es kann dir nur geschenkt werden, Gott muss es tun."

Die Heilige Schrift sagt jedoch unmissverständlich zu jedem, der das Angebot der Errettung ablehnt: „Du hast nicht gewollt."

Für den Gläubigen gilt dagegen: „Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken" (Philipper2,13). Gott hat also durch seinen Geist in dem Herzen jedes seiner Kinder bewirkt, dass sie sich zu ihm bekehrten. Gottes Wort und Geist haben die Wiedergeburt zustande gebracht. Das gute Werk, das Gott begonnen hat, wird er vollenden, und Jesus Christus wird uns bis ans Ende befestigen. Die Frage ist nicht, ob wir durchhalten, sondern ob Gott durchhält, und weil er durchhält, können wir durchhalten bis ans Ende.

Eine neue Schöpfung

Ein fünfter Beweis für die Lehre der ewigen Errettung des Gläubigen liegt in dem Ausspruch:
Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden" (2. Korinther 5, 17).
Adam ist der Stammvater aller Menschen. Weil er sich im Garten Eden von Gott unabhängig machte, wurde er ein Sünder mit einer sündigen Natur. Darum wurden alle seine Nachkommen als Sünder geboren. Auf allen liegt das Urteil des Todes. Der 14. Vers von 2. Korinther 5 sagt uns, dass alle gestorben sind, wenn einer für alle gestorben ist. dass Jesus Christus für alle Menschen gestorben ist, beweist, dass sie alle von Natur aus im Tode liegen und das Todesurteil über alle ausgesprochen ist. Wäre unter den Nachkommen Adams ein Mensch ohne Sünde gewesen, dann hätte Christus nicht für alle zu sterben brauchen, sondern für alle, außer diesem einen.
Als Adam im Garten Eden sündigte, war das ganze menschliche Geschlecht, dessen Haupt er ist, dort in ihm repräsentiert. Am einfachsten lässt sich das mit den Worten des Hebräerbriefes andeuten, die sich auf Levi beziehen. „Und sozusagen ist durch Abraham auch Levi, der die Zehnten empfängt, gezehntet worden, denn er war noch in der Lende des Vaters, als Melchisedek ihm entgegenging" (
Hebr.7, 9+10).
Levi hat so in Abraham den Zehnten an Melchisedek abgeführt. Er war in Abraham gegenwärtig. So waren auch wir alle in Adam im Garten Eden gegenwärtig, als Adam übertreten hatte und das Urteil empfing: „Wenn du davon isst, musst du gewisslich sterben."
Mit ihm verfiel die gesamte alte Schöpfung dem Tod. Nie hat ein Mensch seinen Lebensweg auf dieser Erde angetreten, der nicht von Adam abstammte, außer dem Herrn Jesus Christus. Er wurde auf übernatürliche Weise gezeugt. „Er hat keine Sünde getan", bezeugt   Petrus. „Er kannte die Sünde (als verführende Macht in sich) nicht", schreibt Paulus.In ihm war keine Sünde", erklärt Johannes. Deswegen hatte der Tod keine Macht über ihn. Darum also konnte Gott seinen Sohn in diese Welt senden. Jesus Christus kam zu uns und nahm unsere Sünden auf sich und wurde zur Sünde gemacht und ging freiwillig in den Tod. Er machte sich mit unserem verlorenen Zustand vollkommen eins. Er stieg in die Tiefe hinab, in der wir uns geistlich vor Gott befanden. Aber er ist auch wieder auferstanden. Er blieb nicht im Machtbereich des Todes, sondern verließ ihn in Macht und Majestät. Das tat er aber nicht für sich allein. Die Schrift bezeugt: „Er hat uns mit dem Christus lebendig gemacht... und hat uns mit auferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christo Jesu" (Epheser 2, 5 + 6). Das heißt: Gott hat uns nicht dahin zurückversetzt, wo sich Adam vor dem Sündenfall befand, sondern hat für uns etwas völlig Neues geschaffen. Wir gehören jetzt in Christus zu einer neuen Schöpfung. Und weil wir zu der neuen Schöpfung gehören, können wir niemals verloren gehen.

Nochmals: Ja aber . . .

Auch hier könnte man entgegnen: „Ja, aber gilt das nicht nur, solange man im Glauben steht?" Nun, haben wir uns etwa im Blick auf unsere Abstammung von Adam selbst erschaffen? Gewiss nicht. So ist auch die neue Schöpfung nicht unser Werk, sondern das Werk Gottes. In diesen Abschnitten (2. Korinther 5, 15-18 und Epheser 2) wird nicht über das gesprochen, was wir tun mussten oder getan haben, sondern über das, was Gott getan hat. In Epheser 2, 8-10 heißt es: „Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, auf dass niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln sollen."
Diese Stelle macht sehr deutlich, dass alles Gottes Werk ist. Und warum ist das so? Weil Gott jeden Anlass wegnehmen will, der den geretteten Sünder dazu verführen könnte, sich zu rühmen und sich selbst zu erheben. Wären wir aufgrund von Werken gerettet, dann hätten wir etwas zu rühmen. Nein, sagt die Schrift: Ihr könnt nur gerettet werden aufgrund des Glaubens an das vollbrachte Werk Jesu Christi.
Wäre dieser Glaube eine Leistung unsererseits, dann hätten wir auch Grund, uns zu rühmen. Nein, sagt Gott: der Glaube ist meine Gabe. Wäre wenigstens das Ausharren im Glauben von mir abhängig, dann könnte ich mich doch dessen noch rühmen. Aber auch dieser Anlass zum Rühmen wird uns genommen. Es ist Gottes Werk von Anfang bis Ende. Er vollendet, was er begonnen hat. Wir sind eine neue Schöpfung aufgrund dessen, was er getan hat. Niemals werden wir das Schöpfungswerk Gottes in uns zerstören können. Und der Gläubige gehört zu dieser neuen Schöpfung. Wir waren verloren, weil das Haupt der ersten Schöpfung versagt hatte und gefallen war. Wir sind gerettet, weil das Haupt der neuen Schöpfung nie wanken oder versagen wird.
Von Ironside, den ich bereits zitierte, habe ich folgende Illustration übernommen:
„Vielleicht haben Sie von dem Iren gehört, der zum lebendigen Glauben an Jesus gekommen war. Er hatte große Furcht davor, dass er eines Tages eine schwere Sünde begehen und deswegen wieder verloren gehen könnte. Eines Tages ging er in eine Versammlung, in der das folgende Wort verlesen wurde: ,Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott' (Kolosser 3, 3). ,Gepriesen sei Gott', rief der Mann, ,hat man je gehört, dass ein Mensch ertrunken ist, solange sein Kopf noch über Wasser war?' Nach Kolosser 1, 18 ist Christus das Haupt des Leibes."

Wer glaubt, hat ewiges Leben

Zu Anfang hatte ich gesagt, dass die Frage: „Kann der Gläubige wieder verloren gehen?"  nicht mit dem Hinweis auf Johannes 3, 36 zu beantworten ist. „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben." Ich könnte auch Johannes 3,16 anrühren: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe", und Johannes 5, 24:Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen."
Damit wollte ich natürlich nicht behaupten, dass diese Stellen in sich nicht beweiskräftig seien. Es reicht aber nicht aus, sich nur auf diese Stellen zu beziehen. Wir müssen dann erst nachforschen, was „ewiges Leben" bedeutet. Darüber gibt es leider viele Auffassungen, die nicht mit der biblischen Aussage übereinstimmen. Es gibt Menschen, die bei dem Ausdruck „ewiges Leben" nur an eine ewige Existenz denken. Für andere bedeutet „ewiges Leben", dass ein Gläubiger (wenn er im Glauben verharrt) einmal in der Ewigkeit in Vollkommenheit mit dem Herrn Jesus leben wird. Schließlich betrachten einige das „ewige Leben" als Geschenk, das man bereits hier empfangt und das man bis zum Tag des Todes bewahren muss, um seine ganze Herrlichkeit zu erfahren.

Alle drei Auffassungen wollen wir noch etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Was ist ewiges Leben?

1.
Angenommen, es gäbe einen Menschen, der auf dieser Erde immer weiterleben könnte. Wenn das möglich wäre, besäße dieser Mensch doch nicht das ewige Leben. Er würde nur das natürliche Leben besitzen, das er durch die Geburt aus Adam empfangen hat. In dem angenommenen Fall hätte also das natürliche Leben oder das Schöpfungsleben dieses Menschen lediglich kein Ende. Ewiges Leben ist jedoch nicht nur ein Leben, das kein Ende hat, sondern zugleich ein Leben, das keinen Anfang hat. Es ist nämlich göttliches Leben.
Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben" (1. Johannes 5, 20b).
Das ist aber noch nicht alles. Seit dem Sündenfall ist das natürliche Leben vom Tod gezeichnet. In dem oben angenommenen Fall wäre eine solche Person in alle Ewigkeit vor Gott ebenso tot, als wäre sie nur 80 Jahre alt geworden.
Aber diese Annahme entspricht ja auch nicht der Wirklichkeit. Der Tod hat nicht nur etwas mit unserem geistlichen Zustand vor Gott zu tun, sondern auch mit unserem
Körper. Kein Mensch kann auf dieser Erde als Sünder ewig existieren. Unser natürliches Leben, das an unseren Körper gebunden ist, wird mit dem Tod beendet. Wir sind also dem leiblichen Tod unterworfen. Der unbekehrte Mensch muss nach der Auferstehung vor dem großen weißen Thron erscheinen und wird dann, nach seiner Verurteilung, in den Feuersee geworfen werden. Das ist der zweite, der ewige Tod. Seine Seele und sein Leib werden zwar ewig fortbestehen (Matthäus 10, 28), und doch ist er für ewig tot. „Ewiges Leben" ist also nicht dasselbe wie ewige Existenz, es ist viel mehr als das.
2.  Ewiges Leben ist auch mehr als ein zukünftiges Leben in Vollkommenheit bei dem Herrn Jesus. Natürlich hat es auch diesen Aspekt. Die Schrift spricht in diesem Zusammenhang von der „Hoffnung des ewigen Lebens" (Titus 1, 1). Das bezieht sich auf die volle Verwirklichung dessen, was das Kreuz für den Gläubigen beinhaltet. Meine Seele ist bereits durch den Glauben errettet, aber mein Leib muss noch errettet werden. Im Blick auf meinen Leib bin ich „in Hoffnung errettet", denn ich warte noch auf „die Erlösung meines Leibes" (Römer 8,22-25). Wenn Jesus Christus wiederkommt, wird mein „Leib der Niedrigkeit umgestaltet werden zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit" (Philipper3, 21).
Dann werde ich das ewige Leben in seiner ganzen Fülle empfangen, denn auch mein Leib wird daran teilhaben. Wer das noch eingehender untersuchen will, möge die folgenden Schriftstellen nachlesen, die das ewige Leben als zukünftigen Besitz vorstellen: Römer 2, 7; Galater 6, 8; 1. Timotheus 1, 16; 1. Timotheus 6, 12 und 19; Titus 1, 2; Titus 3, 7.
Der Apostel Paulus stellt diesen Aspekt in den Vordergrund. Doch es bedeutet noch mehr. Johannes entfaltet dies in seinem Evangelium und in seinen Briefen. Der Geist bezeugt durch ihn, dass der Gläubige das ewige Leben bereits jetzt besitzt. Ich führte bereits drei Schriftstellen aus seinem Evangelium an, die das deutlich machen. Dazu möchte ich noch eine Stelle aus seinem ersten Brief erwähnen: „Dies habe ich euch geschrieben, auf dass ihr wisset, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes" (1. Johannes 5, 13). Ewiges Leben" ist somit auch ein gegenwärtiger Besitz.
3.  Man kann das ewige Leben aber nicht mit einem wertvollen Geschenk vergleichen, das wir mit uns herumtragen und auf das wir sorgfältig aufpassen müssen, damit wir es nicht verlieren. Das ewige Leben ist nicht etwas, was unserem Sein hinzugefügt worden ist, sondern es ist eine totale Umkehrung unseres Seins. Was sagt die Heilige Schrift von dem Gläubigen? Sie sagt nicht, dass er das ewige Leben als ein wertvolles Geschenk mit sich herumträgt, sondern dass er „aus dem Tode in das Leben übergegangen" ist.
Bei dem unbekehrten Menschen macht das natürliche Leben seine ganze Existenz aus. Genauso macht bei dem Gläubigen das ewige Leben sein ganzes Wesen aus, eine völlig neue Existenz.
Unser natürliches Leben tragen wir nicht mit uns herum wie ein Paket, das wir verlieren könnten. Es macht unser ganzes Sein auf dieser Erde aus, das durch den leiblichen Tod abgeschlossen wird. So tragen wir auch das ewige Leben nicht als ein Paket mit uns herum.
Die Frage ist also nicht, ob wir das ewige Leben wie ein Geschenk verlieren können, sondern ob es als Folge von Sünde ein Ende haben kann, ob das ewige Leben in uns sterben kann. Das aber wäre ein Widerspruch in sich, denn dann wäre ja ewiges Leben kein ewiges Leben mehr. Es wäre genauso wie das natürliche Leben sterblich und dem Tod unterworfen.
Der Herr Jesus sagt: „Dies ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen" (Johannes 17,3). Ewiges Leben
besitzen heißt, Gott und Jesus Christus zu kennen und mit ihm in lebendiger Verbindung zu stehen. Es bedeutet sogar, das Leben zu besitzen, das Christus hat. Ewiges Leben ist Leben aus Gott. Wer ewiges Leben besitzt, hat - so schreibt der Apostel Petrus - Teil an der göttlichen Natur. Kann dieses Leben beendet werden? Kann dieses Leben in uns sterben? Dieses Leben, das den Tod überwunden hat, wie die Auferstehung Christi beweist? Unmöglich. Darum sind alle Schriftstellen, die davon sprechen, dass ein Gläubiger ewiges Leben hat, doch sichere Beweise dafür, dass es ein Abfallen von Heiligen nicht gibt.

Wir wissen . . .
Zum Schluss möchte ich noch einen abgeleiteten Beweis für die Lehre von der ewigen Errettung geben.
Wenn die Möglichkeit bestünde, dass ein Gläubiger abfällt und verloren geht, dann könnte niemand mit Sicherheit sagen, dass er in den Himmel kommen wird. Niemand könnte wissen, ob er wirklich errettet ist. Die Bibel zeigt jedoch drei wichtige Dinge auf, die wir mit Bestimmtheit wissen können. Wir können im Blick auf das Sterben und die Auferstehung des Herrn Jesus mit Hiob sagen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt" (Hiob 19, 25). Im Blick auf unser Erdenleben, in dem uns so viele Dinge begegnen, können wir sagen: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind" (Römer 8, 28). Im Blick auf die Zukunft können wir mit Paulus sagen: „Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Haus, die Hütte, zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges, in den Himmeln" (2. Korinther 5, 1).
Diese Sprache des Glaubens kann eigentlich keiner führen, der die Lehre von einem möglichen Abfallen von wahren Gläubigen vertritt. Und schon dadurch ist diese Lehre verurteilt.

Aber wie verhält es sich nun mit den anderen Stellen?

„Gut", könnte jemand sagen, „Sie haben nun alle Stellen angeführt, die die Sicherheit des Errettet seins der Gläubigen bezeugen. Aber es gibt doch ebenso viele, wenn nicht noch mehr Abschnitte, die vom Abfallen, vom Verwerflichwerden, vom Schiffbruchleiden am Glauben usw. reden."
Das stimmt natürlich, und deshalb werde ich diese sogenannten schwierigen Stellen auch eine nach der anderen unter die Lupe nehmen. Doch zunächst kommt es auf die Frage an, ob die oben behandelten Bibelstellen zeigen, dass ein Kind Gottes nicht verloren gehen kann. Und das beweisen sie mit aller Deutlichkeit! Bei den folgenden Schriftstellen haben wir zu prüfen, ob sie sich wirklich auf Gläubige oder nur auf solche Menschen beziehen, die sich zwar Christen nennen, aber nicht wiedergeboren sind. Ich wiederhole: Die Schrift kennt kein Verlorengehen von Gläubigen, wohl aber ein Abfallen von Bekennern.
Bei einer solchen Untersuchung dürfen wir niemals Stellen, die wir nicht ganz verstehen, verwenden, um dadurch eine andere Stelle, die nicht zwei verschiedene Auslegungen zuläßt, beiseitezuschieben. Ich empfehle deshalb aufs dringlichste, die Bibel zur Hand zu nehmen und das bisher Gesagte noch einmal ernsthaft durchzugehen.

Hat der Mensch denn keinen freien Willen?

Der bereits zitierte Ironside nennt eine Reihe von Einwänden, die gegen die Lehre von der ewig gültigen Errettung vorgebracht werden. Ich kann darum nichts Besseres tun, als seine Ausführungen als Leitfaden zu verwenden, wenn ich das Thema auch etwas anders angehe und ergänze.
Der erste dieser Einwände ist allgemeiner Art, trifft aber im Grunde den Kern des Problems. Man behauptet, der Mensch habe einen freien Willen und sei nur so lange errettet, wie er sich der Sache Gottes weihe.
Vor dem Sündenfall hatte der Mensch tatsächlich einen freien Willen, d. h., er hatte die Möglichkeit - nicht das Recht -, sich gegen Gott zu entscheiden. Aber nach dem Sündenfall ist jeder nicht wiedergeborene Mensch ein Sklave des Teufels. Deshalb muss der Sünder sich auch aus der Macht Satans zu Gott bekehren (Apostelgeschichte 26, 18). Erst der Wiedergeborene wird ein Diener Jesu Christi und findet Gefallen daran, Gottes Willen zu tun.
Niemand ist etwa durch ein Leben der Hingabe errettet, sondern nur deshalb, weil er von neuem geboren ist und durch Gottes Macht bewahrt wird. Es ist auch nicht so, dass ein Mensch selbst wählt, am Platz der Errettung zu bleiben, sondern Gott hat ihn auserwählt (Epheser 1, 4). Wer das Abfallen von Heiligen lehrt, kommt mit der Lehre der Auserwählung in beständigen Konflikt. Ein Mensch wird eben nicht durch seinen vermeintlich „freien" Willen an den Platz der Errettung gebracht. Der Wille des Menschen ist so durch und durch sündig und böse, dass niemand errettet werden könnte, wenn Gott in seiner Gnade nicht Menschen vorherbestimmt, berufen und auserwählt hätte.*)
Angenommen, es wäre möglich, dass ein Gläubiger sich aus freiem Willen entscheiden könnte, Jesus Christus abzuschwören, um so die Auserwählung unwirksam zu machen - müsste er dann nicht wieder verloren gehen?

Die Bibel sagt aber, dass die Schafe des guten Hirten ewiglich nicht verloren gehen werden. Diese Annahme ist somit unwirklich. Aber denken wir daran: Schafe des guten Hirten sind nur Menschen, die seine Stimme hören und ihm folgen. Wenn jemand sich Christ nennt, aber Christus nicht folgt, dann beweist er damit, dass er in Wirklichkeit kein Christ ist, auch wenn er sich so nennt.

*) Zur Verantwortlichkeit des Sünders, sich zu bekehren, vgl. die Seiten 10 und 15.
Aber auch ein wahrer Gläubiger kann doch abirren! Ja, aber bei Kindern Gottes kann man bedingungslos von ewiger Errettung sprechen, weil Jesus Christus sich ihrer angenommen hat und selbst für ihre Sicherheit garantiert. Das gilt aber nicht für Leute, die sich Christen nennen und es nicht sind, für bloße Namenchristen.

Wer ausharrt bis ans Ende

Wir wollen nun einzelne Bibelstellen betrachten und können dabei die folgenden zusammenfassen:
Wer aber ausharrt bis ans Ende, dieser wird errettet werden" (Matthäus 24, 13).
„Wer überwindet, der .. ." (Offenbarung 2, 7 + 11) usw. „Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaft meine Jünger" (Johannes 8, 31). Aus diesen Bibelstellen schließt man, dass jemand, der nicht ausharrt, nicht überwindet und nicht im Wort des Herrn bleibt, verloren geht.
Diese Schlussfolgerung ist auch richtig, doch was heißt das? Wird mit diesen Stellen etwa gesagt, dass ein Kind Gottes verloren gehen kann? Durchaus nicht! Sie sagen jedoch deutlich, dass ein Namenchrist ins ewige Verderben kommen kann. Wenn jemand bekennt, bekehrt zu sein, sich taufen lässt, Mitglied dieser oder jener Kirche wird, das Abendmahl feiert, Sonntagschularbeit oder sonstige christliche Arbeit tut und sich dann später doch von Christus abwendet und dessen Autorität völlig leugnet, dann ist das doch der Beweis dafür, dass sich in seinem Herzen nichts, sondern nur in seinem äußeren Verhalten etwas geändert hat. So jemand hat sich in seinem äußeren Verhalten für eine gewisse Zeit durch die Lehre des Christentums verändert, ist aber nicht wiedergeboren.
Dieser Unterschied ist am deutlichsten bei Petrus und Judas zu sehen. Petrus versagte und sündigte auf schreckliche Weise, aber er harrte trotzdem aus bis ans Ende,
denn Petrus glaubte wirklich an den Herrn Jesus. Der Herr sagt von ihm: „Ich aber habe für dich gebetet, auf dass dein Glaube nicht aufhöre" (Lukas 22, 32). Eine Zeit lang stimmte sein Leben nicht mit seinem Glauben überein, er verleugnete seinen Meister. Aber Jesus Christus stellt ihn wieder her. Judas war dreieinhalb Jahre ein Jünger des Herrn Jesus und dabei doch ein Dieb, dem es nur um seine eigenen Interessen ging. Jesus nennt ihn einen Teufel. Sein Verrat tat ihm zwar später leid, aber es kam bei ihm nicht zu einer aufrichtigen Buße. Die Folge war: „Er ging hinaus und erhängte sich." Er ging „an seinen eigenen Ort" (Apostelgeschichte  1, 25). Daraus sehen wir den großen Unterschied zwischen einem wirklichen Christen und einem bloßen Bekenner. Petrus fiel, Judas aber fiel ab. Wer ist ein Überwinder, wenn nicht der, der glaubt (vgl. 1. Johannes 5, 5)?
Nur der Glaube überwindet die Welt, nicht ein Lippenbekenntnis. Nur der stellt unter Beweis, wahrhaftig ein Jünger Jesu zu sein, der auch wirklich im Worte Jesu Christi bleibt. Die zuletzt genannte Bibelstelle ist an die Juden gerichtet, die an Christus als ihren Messias glauben (Johannes 8, 31). Doch nur, wenn sie in seinem Wort bleiben und ihn auch als den leidenden, sterbenden und auferstandenen Heiland annehmen würden, würden sie die Wahrheit verstehen, und die Wahrheit würde sie freimachen (Vers 32). Das wäre dann der Beweis dafür, dass sie wahrhaftig seine Jünger sind.
Dieselbe Bedeutung hat Lukas 9, 61 + 62.Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist geschickt zum Reiche Gottes." Die Hand an den Pflug zu legen ist ein guter Start. Doch wer sich umdreht und Vater und Mutter über den Herrn stellt, zeigt, dass sein Herz nicht bei dem Herrn ist. Orpa hatte einen guten Anfang gemacht. Doch als sie die entscheidende Wahl treffen musste, verließ sie Israel und den Gott Israels und wählte Moab (Ruth 1, 14 + 15).
Die Frau Lots ging mit aus Sodom heraus, aber sie blickte sich um und blieb zurück. Ihr Herz weilte noch in Sodom, wenn auch ihre Füße schon draußen waren.Sie war der Rettungsbotschaft letztlich ungehorsam und kam um.

Sei treu bis zum Tod

Oft wird Offenbarung 2, 10 in diesem Zusammenhang angeführt: „Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben."
Wenn jemand nicht bis zum Tod treu ist, so zieht man den Rückschluss, wird er auch das ewige Leben nicht erlangen. Bei dieser Stelle geht es jedoch nicht um Errettung, sondern um Belohnung. Es steht nicht da, dass der Treue das ewige Leben erlangen wird, sondern die Krone des Lebens. Die Schrift spricht von fünf Kronen oder Kränzen:
die unvergängliche Krone für das ausdauernde Laufen in der Rennbahn (1.Korinther 9,25 & 26).                                                                     
die Krone des Ruhmes oder der Freude für das Gewinnen von verlorenen Menschen für den Herrn Jesus (
1. Thessalonicher 2, 19 und Philipper 4, 1), die Krone der Gerechtigkeit, die allen verliehen wird, die das Erscheinen des Herrn lieben  (2. Timotheus 4, 8), die Krone des Lebens für das Leiden um Jesu willen (Jakobus 1, 12 und Offenbarung 2, 10), die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit für die, die die Herde Gottes hüten   (1. Petrus 5, 2-4).

Es kann sein, dass ich keinen solchen Siegeskranz erringe, und doch kann ich gerettet sein. Das Wort sagt: „Wenn das Werk jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer" (
1. Korinther 3, 15). Kein Kind Gottes möchte natürlich nur mit Not errettet werden. Niemand möchte mit leeren Händen gerettet werden wie Lot aus Sodom. Aber hier geht es um Belohnung und nicht um Errettung.
Viele haben aufgegeben und gehen ihren Weg nicht mehr mit dem Herrn Jesus
Was fangen wir mit Johannes 6, 66 an, wo es heißt: „Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm"? Es waren doch Jünger?
Nun, das stimmt voll und ganz mit meinen früheren Ausführungen überein. Wir haben gesehen, dass der Herr zwischen echten und bloß äußerlichen Jüngern unterscheidet. Es folgte dem Herrn wohl eine große Anzahl von Jüngern nach, doch als er über sein Leiden und Sterben sprach und ihnen sagte, dass sie nur ewiges Leben erlangen könnten, wenn sie sein Blut trinken und sein Fleisch essen würden (ein Hinweis auf den Glauben an den gestorbenen Heiland), da fielen sie ab. Diese Lehre war ihnen zu hart.
Dieses Wort wollten sie nicht annehmen. Dadurch bewiesen sie, dass sie keine echten Jünger waren. Das stimmt mit dem überein, was
Johannes später über die Antichristen seiner Zeit schreibt: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, würden sie wohl bei uns geblieben sein" (1. Johannes 2, 19).
Wenn jemand sich von Jesus Christus abwendet und dem christlichen Glauben abschwört, dann ist er nicht „von uns" und war auch nie ein echter Jünger Jesu Christi.

Wollt ihr etwa auch weggehen?

In Johannes 6, 67 sagt der Herr Jesus im Anschluss an den oben erwähnten Vers:. „Wollt ihr etwa auch weggehen?" Und das ist an die Adresse der echten Jünger gerichtet. Was für einen Sinn hat diese Frage, wenn die Jünger den Herrn im Grunde gar nicht verlassen konnten?
Erstens waren auch die „Zwölf nicht alle echte Jünger. Judas war ja dabei, und diese Frage war ganz bestimmt auch ein Appell an sein Gewissen. Doch hat diese Frage, auch von Judas abgesehen, einen Sinn. Damit soll nicht angedeutet werden, dass die „Zwölf wirklich die Absicht gehabt hätten, den Herrn zu verlassen. Mit dieser Frage wendet sich der Herr vielmehr an ihre Herzen. Simon Petrus gibt die Antwort, die aus dem Herzen jedes Gläubigen kommen sollte:
Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens" (Johannes 6, 68).

Die Schrift spricht aber doch von einem Abfallen vom Glauben?

Eine Reihe weiterer Einwände gründen sich auf Stellen, die von einem Abfallen vom Glauben sprechen, vom vergeblichen Glauben usw. Ich möchte sie hier anführen und kurz kommentieren:
Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, welcher widersteht und sich selbst erhöht über alles, was Gott heißt" (2. Thessalonicher 2, 3 + 4). Diese Stelle hat nichts mit Abfallen vom persönlichen Glauben zu tun. Sie weist auf die Zukunft hin, wenn unter dem Antichristen alle Glaubenswahrheiten des Christentums aufgegeben werden. Das Folgende macht das deutlich. Der Sohn des Verderbens wird sich gegen jede Form der Verehrung Gottes erheben und sich selbst als Gott anbeten lassen. In den Anfängen erleben wir das heute schon. Auf vielerlei Weise wird an den Fundamenten des christlichen Glaubens gerüttelt. Viele haben das, was sie früher bekannten, über Bord geworfen. Im vergangenen Jahrhundert wurde von einem Teil der Christenheit die Gottheit Jesu Christi, der das fleischgewordene Wort Gottes ist, geleugnet. Heute
geht man weiter und tastet die göttliche Autorität des geschriebenen Wortes an und stellt die Auferstehung Jesu Christi in Frage. Bald wird die Namenchristenheit den Inhalt des christlichen Glaubens völlig aufgeben und dem Antichristen folgen. Das ist der Abfall, der kommen muss, bevor der Tag des Herrn anbrechen kann.
Dieselben Gedanken finden wir in Römer 11, 20-22: „Sie sind ausgebrochen worden durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich; denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, dass er auch deiner etwa nicht schonen werde.

Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du ausgeschnitten werden."

Hier geht es ebenfalls nicht um ein Abfallen vom persönlichen Glauben. Der Apostel spricht von den Juden und nennt sie Zweige des Ölbaums. Israel war der Träger des Zeugnisses Gottes auf der Erde. Ihm galten die Verheißungen; Israel war der Gegenstand des Erbarmens Gottes. Aber wegen seines Unglaubens ist es abgehauen worden. An seiner Stelle wurden die Völker eingepfropft; Gottes Erbarmen richtete sich jetzt auf die Heiden. Gott baute sich aus ihnen ein Zeugnis auf. Wenn aber die Völker nicht bei der Güte Gottes blieben, würde das „heidnische" Zeugnis ebenso abgehauen wie das jüdische, und Israel würde wieder eingepfropft werden. Bleibt die Christenheit bei der Güte Gottes? Unsere Zeit zeigt uns, daß das nicht der Fall ist. Daher gehen wir dem Augenblick entgegen, wo Gott das Zeugnis der Völker beiseite setzen wird. Offenbarung 3, 15 + 16 stimmt damit überein. Von der Gemeinde in Laodicäa, die prophetisch die Kirche der Endzeit darstellt, bezeugt Jesus Christus: „Weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde."
In den drei obengenannten Bibelstellen geht es also um ein Abfallen der Christenheit als Gesamtzeugnis hier auf der Erde und nicht um ein Abfallen vom persönlichen Glauben.

Hymenäus, Alexander usw.

Mit den obigen Ausrührungen will ich nicht sagen, dass die Schrift nicht auch vom Abfallen einzelner Personen berichtet. Von Hymenäus und Alexander wird gesagt, dass sie „im Hinblick auf den Glauben Schiffbruch erlitten haben" (1. Timotheus 1, 19). Von anderen heißt es, dass sie „vom Glauben abgeirrt sind" (1. Timotheus 6, 21). Philetus und Hymenäus haben „den Glauben etlicher zerstört" (2. Timotheus 2,18). Und wieder andere werden in späteren Zeiten „vom Glauben abfallen" (1. Timotheus 4, 1).

Wie steht es nun damit?

Das Wort „Glauben" kann drei Bedeutungen haben.
Es kann sich auf den persönlichen Glauben an Jesus Christus beziehen, der mit der Seligkeit verbunden ist. Ein Beispiel davon haben wir in Apostelgeschichte 15, 9. Petrus bezeugt von den bekehrten Heiden, dass Gott „durch den Glauben ihre Herzen gereinigt hat."
Mit dem Wort „Glauben" kann auch die Gabe des Glaubens angedeutet werden, wie in
l. Korinther 12, 9 und Matthäus 21,21. Wir können dann vom Glaubensvertrauen sprechen.
Es kann auch der Glaubensinhalt, das, was man glaubt, gemeint sein. So mahnt uns Judas, „für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen" (
Vers 3). Den persönlichen Glauben und auch das Glaubensvertrauen als Gnadengabe kann man nicht überliefern, wohl aber die Glaubenslehre.
In den vier Stellen der Timotheusbriefe geht es um diese dritte Bedeutung. Die Personen, von denen gesprochen wird, haben den Glaubensinhalt aufgegeben, indem sie falschen Lehren anhingen, wie zum Beispiel der, „dass die Auferstehung schon geschehen sei", und sich zu den „Widersprüchen der fälschlich sogenannten Kenntnis" bekannten und „auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen" achteten. Im selben Sinne spricht Paulus über ein Abirren von der Wahrheit. Die Frage des persönlichen Glaubens an den Herrn Jesus wird hier völlig offen gelassen.

Was sich in der Christenheit als Gesamtheit in der Endzeit zeigen wird ein Aufgeben des Glaubensinhalts -, das wurde bereits zur Zeit des Apostels Paulus bei einzelnen Personen gefunden. Diese Menschen verleugneten, was sie vorher bekannt hatten.

Vergeblicher Glaube
In 1. Korinther 15,2 + 14 + 17 spricht der Apostel über die Möglichkeit des vergeblichen Glaubens. Hier geht es aber doch nicht um den Glaubensinhalt, sondern um den selig machenden Glauben?
Zugegeben, hier wird wirklich vom selig machenden Glauben geredet. Wann aber würde dieser Glaube vergeblich sein? Wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe!! Paulus behauptet in diesem Abschnitt keineswegs, dass jemand vergeblich an den Herrn Jesus glauben könnte, weil er diesen Glauben aufgeben könnte. Was der Apostel hier sagt, ist nur der logische Schluss aus einer falschen Voraussetzung. Bei den Korinthern waren falsche Lehren eingedrungen. Es gab einige, die sagten, dass es keine Auferstehung der Toten gäbe. Nun, wenn das wahr wäre, dann wäre der Glaube an Christus eine vergebliche Sache. Dann wären wir noch in unseren Sünden und somit verloren.
Aber Christus ist auferstanden, und der Glaube ist keine vergebliche Sache.

Der schwierige Hebräerbrief

Die Anhänger der Lehre, dass der Wiedergeborene wieder verloren gehen kann, berufen sich meist auf eine Anzahl von Aussprüchen im Hebräerbrief, oft jedoch ohne den Charakter dieses Briefes näher zu kennen oder zu bedenken. Bevor ich diese Abschnitte behandle, möchte ich zunächst etwas über das Ziel dieses Briefes sagen.
Die ersten Menschen, die nach der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten zum Glauben an Jesus Christus kamen, waren Juden. Die Versammlungen (Gemeinden) in Judäa bestanden fast ausschließlich aus Juden. Diese zum Christentum übergetretenen Juden waren überzeugt, sich noch immer den Vorschriften des mosaischen Gesetzes unterwerfen zu müssen. Petrus wollte zum Beispiel unter keinen Umständen ein unreines Tier essen oder in das Haus eines Heiden eintreten (Apg. 10).
Diese Juden betrachteten den Tempel noch als einen heiligen Ort, hielten ihre Gelübde, ließen sich von Priestern reinigen, und - nicht zu vergessen - sie rührten auch noch die Beschneidung durch. Als der Apostel Paulus mit Barnabas das Evangelium nach Asien brachte, entstanden dort Versammlungen, in denen bekehrte Heiden in der Überzahl waren. Bei der Verkündigung des Evangeliums wurde ihnen nichts von den Vorschriften des Gesetzes gesagt, nichts von einem heiligen Ort oder von der Beschneidung. Was hatten sie als bekehrte Heiden damit zu tun?
Das Evangelium Jesu Christi legte ihnen in diesen Punkten keine Verpflichtungen auf. So gab es zwei Arten von Versammlungen mit unterschiedlicher Lebensweise, doch mit dem gleichen Glaubensinhalt: Rechtfertigung allein durch den Glauben an Jesus Christus. Das muss wohl Anlass zum Streit gegeben haben, denn die bekehrten Juden wollten in ihrem Eifer für das Gesetz auch den bekehrten Heiden diese Verpflichtungen gegenüber dem Gesetz auferlegen. Manche gingen sogar soweit, dass sie sagten, ohne Halten des Gesetzes gebe es keine Rechtfertigung. Das aber bedeutete in Wirklichkeit Untergrabung und Verleugnung des Evangeliums. Wegen dieser Streitigkeiten wurde in Jerusalem eine große Konferenz einberufen. Dabei wurden zwei Dinge deutlich herausgestellt: dass die Rechtfertigung allein durch den Glauben an Jesus Christus erfolge; dass die Juden das Joch, sich an die Gebräuche des Gesetzes halten zu müssen, nicht auf die Jünger aus den Heiden legen sollten (siehe Apostelgeschichte 15).
Es ist deutlich zu sehen, dass die Lebensweise der Heiden mehr den christlichen Standpunkt ausdrückte als die der bekehrten Juden. Die jüdische Lebensweise völlig aufzugeben, wäre für die Juden eine zu harte Forderung gewesen. Hätte man sie dazu verpflichtet, wäre die Verkündigung des Evangeliums unter den Juden stark behindert worden. Gott hat in seiner Langmut immer mit dem jüdischen Volk Geduld gehabt. So ließ er auch hier eine Übergangsphase zu, in der die bekehrten Juden langsam, aber sicher von ihren Bindungen an das Judentum gelöst werden sollten. Die Absicht des Hebräerbriefes war es, zu zeigen, dass diese Übergangszeit zu Ende ging. Um es mit den Worten des Verfassers zu sagen: „Was aber alt wird und veraltet, ist dem Verschwinden nahe" (
Hebräer 8,13). Den unmittelbaren Anlass zu diesem Brief will ich im Folgenden kurz skizzieren:
Die bekehrten Juden wurden durch ihre Volksgenossen verfolgt. Ihre Habe wurde ihnen geraubt. Ihr Leben war bedroht. Da hätte eine Rückkehr zum Judentum das Ende der Verfolgung bedeutet. Wie verführerisch war das für alle, die im Blick auf ihre Lebensweise noch so sehr mit der jüdischen Tradition verbunden waren! Der Verfasser macht jedoch deutlich, dass das einer Verleugnung Jesu Christi gleichkäme, die eine Rückkehr unmöglich mache. Er schildert ihnen den himmelweiten Unterschied zwischen der Zeitperiode des Gesetzes mit seinem Dienst in der Stiftshütte und dem Erlösungswerk Jesu Christi, der Grundlage des christlichen Glaubens. Er lässt an ihrem geistlichen Auge die Wolke von Zeugen aus der Vergangenheit vorüberziehen, die nicht auf das Sichtbare schauten, um sich daran festzuklammern, sondern vielmehr sich am Glauben festklammerten. Diese Vorbilder stellt er den Hebräern vor und ruft sie auf, die erschlafften Hände und gelähmten Knie aufzurichten. Doch er stellt ihnen warnend vor Augen, was ein Aufgeben des christlichen Glaubens und die Rückkehr zum Judentum in letzter Konsequenz bedeuten würde.

Damit wir nicht etwa abgleiten

Aufgrund des Hebräerbriefes führt man nun folgende Argumente an: Nach Hebräer 2, 1 könne man abgleiten, denn dort steht: „Deswegen sollen wir um so mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa abgleiten" (siehe auch Hebräer 12, 25).
Tatsächlich haben wir hier dieselbe Warnung wie in den Timotheus -Briefen. Nur der Zusammenhang ist ein anderer. Hebräer 1 beschreibt uns die Größe der Person Jesu Christi, die über die der Propheten und der Engel, durch die das Gesetz Moses eingeführt wurde, weit erhaben ist.
Dieser Jesus hat das Heil verkündigt, die Apostel, die es aus seinem Mund vernahmen, haben es bestätigt, und Gott wirkte mit durch Zeichen und Wunder (Hebräer 2, 1-4).
Wenn nun schon ein Verwerfen des Gesetzes und seine Übertretung eine gerechte Vergeltung mit sich brachte, wie schrecklich würde es dann sein, dieses durch Jesus Christus verkündete Heil zu verwerfen, nachdem man es gehört hatte.
Ein Abgleiten ist tatsächlich möglich. Angenommen, Sie haben die Verkündigung des kostbaren Wortes Gottes gehört. Sie haben möglicherweise schon als Kind die Botschaft vom Heil in Christus kennengelernt und eine geistliche Erziehung genossen, wie sie vielleicht nur wenigen zuteil wurde, oder Sie sind während einer Evangelisation von der Botschaft von Jesus Christus beeindruckt worden. Doch nach einiger Zeit geben Sie alles auf. Sie werfen alles „über Bord". Dann „bleiben Sie nicht in dem, was Sie gelernt haben", und Sie weichen von der Ihnen verkündeten Lehre ab. Sie weisen den ab, der aus dem Himmel spricht, und es ist dann auch unmöglich, dem Zorn Gottes zu entfliehen. Welch schreckliche Konsequenz!
Diese Stelle spricht nicht von der Möglichkeit, dass ein Kind Gottes in Sünde fällt. Wer von uns könnte sagen, dass er nach seiner Bekehrung nicht mehr gesündigt hätte und in diesem Sinn abgewichen sei? Für Petrus, der seinen Herrn verleugnete, gab es einen Weg zurück, und glücklicherweise gibt es den für uns auch. Es geht hier -ebenso wie in den Briefen an Timotheus - um ein Aufgeben des christlichen Glaubensinhalts.

Abfallen vom lebendigen Gott
Hebräer 3,12 redet aber doch von einem Abfallen vom lebendigen Gott und einem Verhärtet werden durch den Betrug der Sünde? Und in Vers 14 steht ganz klar eine Bedingung: „Wenn wir anders den Anfang der Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten." Das ist eine der vielen „Wenn" -Stellen. (In anderen Übersetzungen heißt es: „sofern" oder „vorausgesetzt dass", doch das läuft auf dasselbe hinaus.) Ich führe noch drei Stellen an:
Durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr an dem Worte festhaltet, das ich euch verkündet habe" (1. Korinther 15, 2).
„Wenn ihr anders im Glauben gegründet und fest bleibt und euch nicht abbringen laßt von der Hoffnung des Evangeliums" (Kolosser 1, 23).
Sein Haus sind wir, wenn wir anders die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten" (Hebräer 3, 6).
Was meint der Geist Gottes mit diesem „wenn"? In allen drei Fällen wird das Wort an Personengruppen gerichtet. Angenommen, ich spräche in einem Saal vor einem christlichen Publikum. Wenn ich bitten würde: „Jeder, der bekennt, Christ zu sein, möge aufstehen", dann würden sich vielleicht alle wie ein Mann erheben. Wäre das ein Beweis dafür, dass alle wirklich Christen sind? Nein, es würde nur bedeuten, dass alle bekennen, Christen zu sein.
Welches wäre nun der Beweis dafür, dass sie auch wirklich Christen sind? Dass sie im Glauben gegründet und fest bleiben. Sollte das bei einem dieser Bekenner nicht der Fall sein, so wird dadurch deutlich, dass bei ihm kein wirklicher Glaube vorhanden war. Das Wort „Glaube" bedeutet in Kolosser l, 23 auch wieder „Glaubensinhalt", das gesamte christliche Glaubensgut. Wer wirklich Christ ist, wird diesen Glauben bis zum Ende festhalten. Ein bloßer Namenchrist kann Mormone, Zeuge Jehovas oder ähnliches werden. Man kann auch den christlichen Glauben dadurch verleugnen, dass man sich durch Sünde verhärtet und sich vom lebendigen Gott abwendet. Es ist verhältnismäßig einfach zu sagen, man sei errettet; doch es durch Glauben und durch sein Verhalten zu beweisen, ist etwas ganz anderes.

Fallen nach demselben Beispiel

Was ist dann aber mit der Stelle: „lasst uns nun Fleiß anwenden, in jene Ruhe einzugehen, auf dass nicht jemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams falle"? So wie nicht alle Israeliten die Ruhe im Lande Kanaan erreicht haben, so werden doch auch nicht alle Christen in die himmlische Ruhe eingehen? (Hebräer 4, 11).
Das ist allerdings ein sehr schwaches Argument, denn
warum gingen die Israeliten nicht in die Ruhe ein? Wir sehen, dass sie wegen ihres Unglaubens nicht eingehen konnten (Hebräer 3, 19).
Ihnen war, wie uns, zwar eine gute Botschaft verkündet worden, aber „das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, nicht mit dem Glauben vermischt war (Hebräer 4, 2). Ebenso werden auch viele Menschen verloren gehen, die bekannt haben, Christen zu sein, weil sie wohl die Botschaft des Evangeliums gehört haben, aber die Predigt nicht wirklich im Glauben angenommen und dem Herrn Jesus nicht als ihrem Heiland geglaubt haben.

Nicht mehr zur Buße zu erneuern

Doch nun zu Hebräer 6: Hier wird von Menschen geredet, die einmal erleuchtet waren, die himmlische Gabe geschmeckt haben, des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind, die das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und die doch abgefallen sind. Was hier steht, ist doch wohl schwerlich mit der Auffassung, ein Kind Gottes könne nicht verloren gehen, in Übereinstimmung zu bringen?
Wir dürfen nicht verkennen, dass durch diesen Abschnitt viele verwirrt worden sind. Doch zuerst ein Wort an die Befürworter der Lehre, dass der Wiedergeborene verloren gehen kann. Sie machen keinen Unterschied zwischen dem Straucheln oder dem In-Sünde-Fallen eines Gläubigen und dem wirklichen Abfallen vom Glauben bei einem Namenchristen. Nach ihrer Auffassung kann sich jemand zu Gott bekehren, abgleiten, kann sich wieder bekehren usw. Sie sprechen dann auch auf ihren Evangelisationen von Menschen, die sich zum ersten-, zweiten-, dritten Mal bekehrt haben. Nach ihrer Theorie müsste Hebräer 6 wohl so lauten:
Es ist sehr wohl möglich, die, die einmal erleuchtet waren und die himmlische Gabe geschmeckt haben ..., aber abgefallen sind, wiederum zur Buße zu erneuern." Das Wort Gottes sagt jedoch genau das Gegenteil. Ihre Theorie wird daher durch diesen Abschnitt Lügen gestraft.
Würden diese Verse aussagen, dass ein bekehrter Sünder wieder verloren gehen könne, dann würden sie zugleich bedeuten, dass ein solcher sich nicht mehr bekehren könne, weil er „den Sohn Gottes gekreuzigt und zur Schau gestellt" habe.
Wir wollen nun diese Verse in ihrem Zusammenhang sehen, im Licht des gesamten Briefes betrachten und dabei untersuchen, über wen gesprochen wird.
Wie bereits erwähnt, wendet sich der Apostel an Juden, die sich zum christlichen Glauben bekannten. Sie kannten das Alte Testament und waren davon überzeugt, dass Jesus der Messias war. Selbst wenn sie hierin nicht aufrichtig waren, so hatten sie doch seine Autorität durch die Wunder gespürt, die sie erlebt oder mit angesehen hatten. Wenn solche Menschen zum Judentum zurückkehrten, um den Verfolgungen zu entgehen, dann mussten sie Jesus Christus abschwören. Dadurch machten sie sich aber wieder eins mit dem jüdischen Volk, das seinen Messias gekreuzigt hatte. Nun, sagt der Verfasser, für solche gibt es keinen Weg mehr zurück. Sie sind zu weit gegangen. Dass der Apostel jedoch diese Möglichkeit bei echten Kindern Gottes ausschloss, geht aus Vers 9 hervor: „Wir aber sind im Hinblick auf euch. Geliebte, von besseren und mit der Seligkeit verbundenen Dingen überzeugt, wenn wir auch also reden."
Es ist also möglich, die oben genannten Vorzüge genossen zu haben und doch nicht errettet zu sein. Wohlgemerkt, hier steht nicht: „Es ist unmöglich, dass die, die einmal wiedergeboren waren und abgefallen sind, zur Buße erneuert werden". Es werden andere Kennzeichen genannt, und diese beinhalten nicht notwendigerweise die Wiedergeburt. Hier werden fünf Punkte aufgezählt, die wir nun einzeln untersuchen wollen:
a)  „. . . die einmal erleuchtet waren." Was sagt Psalm 119, 130?
Die Eröffnung deines Wortes erleuchtet, gibt Einsicht den Einfältigen." Und der Apostel Johannes bezeugt:
„Das war das wahrhaftige Licht, das - in die Welt kommend - jeden Menschen erleuchtet"        (Johannes 1, 9). Jeder, der das Evangelium von Jesus Christus gehört hat, ist dadurch erleuchtet worden. Ein solcher kann sich nicht mehr auf Unwissenheit berufen. Die Predigt des Evangeliums hat sogar die ganze westliche Welt, die im finsteren Heidentum lag, erleuchtet. Doch bedeutet das, dass jeder, der so erleuchtet worden ist, sich auch wirklich bekehrt hat? Leider nicht.
b)  „. . . die die himmlische Gabe geschmeckt haben." Es besteht ein Unterschied zwischen Kosten und Essen. Das eine ist nur eine äußere Geschmackserfahrung, das andere bedeutet dagegen ein wirkliches Sich -Ernähren.
Diese Menschen hatten etwas von dem Heil gespürt, das Gott schenkt. Sie hatten etwas von der Größe der Person Jesu Christi gesehen. Aber sie hatten sich nie von dem Fleisch und Blut des Sohnes Gottes „genährt" (Johannes 6, 54).
Jeremia hat das Wort Gottes als Nahrung in sich aufgenommen (Jeremia 15,16). Hesekiel und Johannes mussten eine Buchrolle nehmen und sie essen. Das ist etwas anderes, als nur zu kosten oder zu prüfen. Jesus Christus sagt:
„Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brote isst, wird er leben in Ewigkeit" (Johannes 6, 51). Darin liegt keine Spur von Umkommen, Abfallen oder Verlorengehen.
c)  „. . . die des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind."
Das Wort bedeutet nicht etwa, dass der Heilige Geist in ihnen Wohnung gemacht hätte, nachdem sie zum Glauben gekommen wären. In anderen Übersetzungen heißt es, dass sie „Teilhaber des Heiligen Geistes" geworden sind. Das mit „Teilhaber" übersetzte Wort ist dasselbe wie in Lukas 5, 7: „Sie winkten ihren Genossen", siehe auch Epheser 5, 6 + 7.
In diesem Sinn haben diese Menschen teilgehabt am Heiligen Geist. Sie sind insofern Teilhaber des Heiligen Geistes geworden, als sie mit dem Heiligen Geist zusammengearbeitet haben. Der Verfasser des Hebräerbriefes verwendet gerade nicht Ausdrücke wie: „versiegelt mit dem Heiligen Geist", „gesalbt mit dem Heiligen Geist" oder „getauft mit dem Heiligen Geist".
Bileam war in diesem Sinn ein Teilhaber und Genösse des Geistes Gottes, als er seine Prophezeiungen über Israel aussprach. König Saul hat durch den Geist mitten unter den Propheten geweissagt, Judas hat mit den Zwölfen durch den Geist Gottes Dämonen ausgetrieben. Und alle drei taten das, ohne wiedergeboren zu sein.

d)  „. . . die das gute Wort Gottes geschmeckt haben." Hier gilt dasselbe wie bei Punkt b). Man kann durch die Erhabenheit der christlichen Glaubenslehre angezogen werden. Das Gefühl kann angesprochen werden, ohne dass eine Wiedergeburt stattfindet. Das ist die Lektion in dem Gleichnis vom Sämann. Es gibt viererlei Boden. Das Saatgut ist immer dasselbe. Da ist der harte Boden, der Weg, auf dem die Botschaft des Evangeliums nicht einmal einen Eindruck hinterlassen kann. Das Herz ist verhärtet. Es gibt auch einen Boden, der nur aus einer dünnen Schicht Erde über hartem Felsen besteht. Das Wort wird mit Freuden aufgenommen, spricht also das Gefühl an. Aber es bewirkt keine echte Buße und Reue. Sobald Verfolgung einsetzt oder Schwierigkeiten auftreten, wird das Wort erstickt. Dann gibt es Erdreich, das wohl zur Saat geeignet erscheint, aber Dornen und Disteln verdrängen die gute Saat. Das sind Menschen, die den Eindruck des Evangeliums durch die Sorgen des Lebens ersticken lassen. In allen drei Fällen trägt die Saat keine Frucht. Nur der gute, gepflügte Boden trägt reiche Frucht.
e)  „... die die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben."
Die Verkündigung des Evangeliums war ursprünglich von Zeichen und Wundern begleitet. In dem zukünftigen Zeitalter wird das wieder der Fall sein, darum heißen sie:
Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters. Die Knechte Gottes werden unter dem Antichristen Feuer vom Himmel fallen lassen und Wasser in Blut verwandeln (Offenbarung 11). Viele Hebräer hatten diese Macht Gottes kennengelernt. Sie hatten die Wunder gesehen und waren davon tief beeindruckt. Das bedeutete jedoch noch lange nicht, dass ihre Herzen verändert worden waren. Ja, es wird vor dem Thron des Gerichts sogar solche geben, die selbst Wunder getan und im Namen Jesu Dämonen ausgetrieben haben, denen der Herr aber sagen muss: „Ich habe euch nie gekannt."
Jemand kann all diese fünf Vorzüge genossen haben und doch kein Kind Gottes sein. Dass diese Auslegung richtig ist, beweist Vers 7: „Denn das Land, das den häufig darauf kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt für diejenigen, um deretwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott."
Dies ist die Parallele zum vierten Boden aus dem Gleichnis vom Sämann. Dann folgt als Gegensatz: Wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbewährt und dem Fluche nahe, und sein Ende ist die Verbrennung."
Die Menschen, von denen hier gesprochen wird, werden mit diesem letzten Boden verglichen. Aber sie haben nie Frucht für Gott gebracht. Dann folgt der bereits angeführte Ausspruch: „Wir aber sind im Hinblick auf euch. Geliebte, von besseren und mit der Seligkeit verbundenen Dingen überzeugt; wenn wir auch also reden." Mit anderen Worten: Euch vergleiche ich nicht mit diesen Abtrünnigen, die nur äußerlich das Heil kennengelernt haben, bei euch ist das Herz vom Evangelium ergriffen worden. Diese Verse stimmen mit dem folgenden Wort des Herrn Jesus überein:
Kor 4.11.03 (Andreas O. besten Dank!)
Joh.15,1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.                                        {Eig. Ackerbauer}
Joh.15,2 Jede Rebe an {Eig. in} mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, auf dass sie mehr Frucht bringe.
Joh.15,3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Joh.15,4 Bleibet in mir, und ich in euch. Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir.
Joh.15,5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn außer mir {Eig. außerhalb, getrennt von mir} könnt ihr nichts tun.
Joh.15,6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; {Eig. in mir geblieben ist, so ist er hinausgeworfen worden... und ist verdorrt} und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Israel war der Weinstock, den Gott in Ägypten ausgegraben und in Kanaan neu eingepflanzt hatte                            (
Psalm 80, 8-16). Dort sollte das Volk für Gott Frucht hervorbringen. Aber statt guter Trauben brachte der Weinstock nur Herlinge hervor (Jesaja 5, 1-7). Was geschah dann? Gott richtete diesen Weinstock. Dieses Zeugnis wurde verworfen. Jesus Christus nennt sich selbst nun den wahren Weinstock. Er nimmt die Stelle Israels ein. Zwar war Israel der Sohn, den Gott aus Ägypten gerufen hatte (Hosea 11, 1), doch das Volk hatte sich als ein ungehorsamer Sohn erwiesen. Daher nahm Jesus Christus seine Stelle ein. Hosea 11, 1 wurde in ihm erfüllt, als er mit seinen Eltern aus Ägypten zog (Matthäus 2, 15). Israel wird zwar in Jesaja 43, 10 der Knecht Jahwes genannt, doch war es ein untreuer Knecht. Jesus Christus nahm diese Stelle ein - er ist der treue Knecht Jahwes (Jesaja 42, 1; 52, 13; 53, 11). In all diesen Fällen geht es um die Tatsache, dass Gott auf der Erde ein Zeugnis haben will, dass Israel wegen seiner Untreue beiseite gesetzt wurde und dass Christus diesen Platz vollkommen eingenommen hat.
Doch zu diesem Zeugnis, das für Gott Frucht hervorbringen soll, gehören auch die Jünger Jesu Christi. Das wird durch das Bild vom Weinstock verdeutlicht. Die Jünger sind die Reben am Weinstock.
Es gibt jedoch zwei Arten von Reben, wie auch in Hebräer 6, 7 von zweierlei Boden die Rede ist: Reben, die Frucht bringen. Diese werden gereinigt, damit sie mehr Frucht, ja sogar viel Frucht tragen.
Dann gibt es Reben, die keine Frucht bringen. Diese werden abgeschnitten, verdorren und werden verbrannt.
Der Herr spricht hier nicht vom Besitz des ewigen Lebens wie bei dem Bild der Schafe, sondern er spricht vom Fruchttragen. Was ist die Aufgabe der Reben eines Weinstocks, wenn nicht die, Frucht hervorzubringen!
Jeder, der Jesus Christus seinen Herrn nennt, ist eine Rebe und damit ein Teil des christlichen Zeugnisses auf der Erde. Doch ein solcher hat die Verpflichtung, Frucht zu tragen. Und um diese Verpflichtung geht es bei dem Bild des Weinstocks. Wenn jemand nicht in dem Wort des Herrn bleibt, bringt er keine Frucht. Dann entspricht er dem Juden in Hebräer 6, der das christliche Zeugnis aufgibt. Er ist ein Boden, der Dornen und Disteln hervorbringt und das Urteil herausfordert.

Was veranlasst den Verfasser zu dieser Aussage?

Wenn der Verfasser doch überzeugt war, dass seine Leser errettet waren und nicht abfallen würden, warum stellte er ihnen dann diese Dinge vor Augen (Hebräer 6)?
Der Hauptgrund seiner Ausführungen ist die Möglichkeit, dass sich unter die bekehrten Juden auch solche gemischt haben konnten, die nicht wirklich bekehrt waren
und die bei anhaltender Verfolgung zum Judentum zurückkehren würden. Dieser Abschnitt sollte ihnen die Gefahr eines solchen Schrittes zeigen. Er sollte ihnen aber vor allem die Augen für den unbekehrten Zustand ihres Herzens öffnen. Wenn sie zum Judentum zurückkehrten, gäbe es keine Rettung mehr für sie. Aber dann wären sie auch jetzt noch nicht gerettet! Dann gehörten sie nicht zu denen, die nach Überzeugung des Verfassers errettet waren!
Zum anderen sind diese Ausführungen auch eine ernste Mahnung für die wirklich bekehrten Juden. Wenn ein solcher Abfall so ernst war, dann musste bereits der Gedanke an eine etwas nachgiebigere christliche Haltung gegenüber dem Judentum eine schreckliche Sünde und Verunehrung des Meisters sein. Dieser Gedanke sollte radikal abgewiesen werden. Sie sollten vielmehr alle Kräfte einsetzen, um auf dem Weg des christlichen Glaubens Fortschritte zu machen. Die bekehrten Juden waren nach Kapitel 5 zum Lernen zu träge geworden. Über die geistliche Bedeutung einer Gestalt wie Melchisedek konnte der Verfasser nicht mit ihnen reden. Feste Speise konnten sie nicht vertragen. Sie waren wieder wie Kinder geworden, die die Milch des Evangeliums nötig hatten. Sie waren unerfahren im Wort der Gerechtigkeit. Das Wort von Christus, wie es ihnen im Alten Testament begegnete, kannten sie. Diesen Grund hatten sie wohl unter ihren Füßen. Der Begriff „Bekehrung" war ihnen ebenso wenig fremd wie der Glaube an Gott. Auch begriffen sie den Sinn der Waschungen im levitischen Gottesdienst und die Bedeutung des Auflegens der Hände auf den Kopf des Opfertieres, und sie wussten auch von der Auferstehung der Toten und dem ewigen Gericht. Aber das alles kennzeichnet noch nicht den Stand des erwachsenen Christen. Ein bekehrter Israeli! konnte schon vor der Kreuzigung Jesu von diesen Dingen wissen. Sie sollten jedoch diese Grundlage stehen lassen und zum Vollkommenen heranwachsen. Anstatt zurückzugehen - was zu einem Zurückgehen führen konnte - sollten sie nach vom blicken, wachsen und Frucht für Gott bringen.

Ist denn das so schlimm?

Vielleicht ist jemand von der Endgültigkeit des Ausdrucks: „. . . unmöglich wiederum zur Buße zu erneuern" schockiert und fragt sich, ob das, was ein sich zum Christentum bekennender Jude tun konnte, denn so schlimm war.
Ich kann das nicht besser als mit einem weiteren Zitat von Ironside beantworten:
„Diese an die Juden gerichtete Botschaft sollte ihnen zeigen, dass Christus wirklich der Messias und die Erfüllung aller Abschattungen oder Vorbilder der Zeitperiode des Gesetzes ist. Die zwei verschiedenen Arten Ackerboden in Hebräer 6 stellen zwei Menschen beziehungsweise den Zustand ihres Herzens dar.
Die folgende Schilderung macht es sicher noch deutlicher: Beide wuchsen in derselben Umgebung auf. Beide wurden in der Schrift unterrichtet. Sie gingen zusammen zur Synagoge. Beide erwarteten das Kommen des Messias. Beide hörten Johannes den Täufer und ließen sich von ihm taufen. Beide hörten Jesus predigen und sahen die Wunderwerke, die er tat. Beide standen unter der Menschenmenge, die seiner Kreuzigung zuschaute. Beide gesellten sich zu denen, die sich das offene Grab ansahen. Beide haben von der Himmelfahrt gehört. Beide sahen das mächtige Wirken des Heiligen Geistes an Pfingsten und danach. Beide bewegten sich im Kreis der Jünger und hörten die Apostel. Äußerlich sah man keinen Unterschied. Doch nun kam die Verfolgung. Der eine wurde gefangen genommen und vor die Wahl gestellt: .Schwöre Christus ab, sonst stirbst du.' Er sagte: ,Ich kann nicht abschwören, denn er ist mein Heiland.' ,So wirst du getötet werden.' ,Ich bin bereit zu sterben, aber meinen Heiland kann ich nicht verleugnen.'
Der andere wird ebenfalls gefangen genommen und vor dieselbe Entscheidung gestellt. Er sagt: , Ich will lieber abschwören als sterben. Ich mache kehrt und werde mich wieder als echter Jude verhalten.' .Dann komm hierher.'
Es wurde eine schreckliche Methode angewandt, um solche wieder in das Judentum aufzunehmen. Ich erinnere mich, einmal gelesen zu haben, dass man in diesem Fall den Abtrünnigen an einen unreinen Ort brachte, wo ein Schwein geschlachtet wurde. Dort musste er - um die Aufrichtigkeit seiner Umkehr zu beweisen - das Blut bespucken und sagen: ,So sehe ich das Blut Jesu an.' Danach reinigten sie ihn und nahmen ihn wieder in das Judentum auf.
Welcher Unterschied besteht zwischen den beiden? Jeder Boden erhielt denselben Regen und denselben Sonnenschein, aber in der Frucht unterscheiden sie sich. Der erste brachte Früchte, die der Bekehrung entsprachen, der andere nur Dornen und Disteln." (Ende des Zitats)
Das ist die Bedeutung des Ausdruckes „Christus für sich kreuzigen und ihn öffentlich zur Schau stellen." (Andere übersetzen: „ihn zur Schande machen".) So ernst ist es, wenn man willig und bewusst Christus abschwört. Am Kreuz konnte der Heiland noch bitten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Petrus konnte in Jerusalem noch predigen: „Ich weiß, dass ihr es in Unwissenheit getan habt, wie auch eure Obersten."
Damals bestand noch das Angebot der Rettung. Doch der erste Märtyrer für den Glauben - Stephanus - bat nur noch: „Rechne ihnen diese Sünde nicht zu." Von Unwissenheit war da keine Rede mehr. Paulus bezeugt dann auch, dass der volle Zorn Gottes über Israel gekommen ist (1. Thessalonicher 2, 15 + 16).

Auch heute noch?

Dieser Text bezieht sich also auf Juden, die sich vom christlichen Glauben abwandten und zum Judentum zurückkehrten. Er ist aber nicht grundsätzlich auf diese eine Situation beschränkt. Auch bloße Namenchristen heidnischen Ursprungs können auf eine ähnliche Weise vom Glauben abfallen. Aus der Geschichte ist der Fall zweier Brüder bekannt, die ich hier jedoch nicht namentlich erwähnen möchte. Beide kamen aus einer Predigerfamilie. Beide waren auch selbst Prediger. Der eine hatte sich durch seine schriftstellerischen Arbeiten einen Namen gemacht. Doch eine Aufstellung seiner Werke lässt sein geistliches Zurückgehen erkennen. Schließlich hat er sein Predigtamt aufgegeben und die ganze Wahrheit des christlichen Glaubens verleugnet. Der andere hat vielen Kindern Gottes mit dem Wort gedient und auch einige Schriften mit grundlegendem Inhalt hinterlassen. Dieses Beispiel aus unserem Land könnte durch viele aus dem Ausland ergänzt werden. Ich möchte eins nennen: Der gelehrte Francis W. Newman hat einmal bekannt, Christ zu sein. Er verkehrte viel mit Gläubigen, mit denen er auch das Abendmahl feierte. Er war sogar für einige Zeit als Missionar im Irak tätig. Später wandte er sich jedoch ab und entpuppte sich als ein Feind des Kreuzes Christi. Er schrieb ein Buch, in dem er starke Angriffe gegen das Christentum führte. Haben diese Menschen nicht im Sinn von Hebräer 6 gehandelt und sich das Urteil selbst zugezogen?

Das Blut, durch das er geheiligt worden ist

Der folgende Einwand stützt sich auf Hebräer 10, 26-29: Denn wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verschlingen wird. Jemand, der das Gesetz Moses' verworfen hat, stirbt ohne Barmherzigkeit auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen. Wie viel ärgerer Strafe, meint ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt worden ist, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?"
Hier ist doch sicher von einem Gläubigen die Rede, so argumentiert man; denn es wird von jemandem gesprochen, der durch das Blut geheiligt worden ist.
Dieser Ausdruck bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass dieser Mensch wirklich wiedergeboren war. Das ganze Volk Israel war durch das Blut des Bundes geheiligt worden. Geheiligt bedeutet: abgesondert für Gott; wie Israel durch Blut von den Völkern abgesondert worden war, so ist jeder, der Jesus Christus seinen Herrn nennt, von den Ungläubigen abgesondert.
In 1. Korinther 7, 14 sagt Paulus sogar von einem ungläubigen Mann, dass er durch die Ehe mit einer Frau, die zur Bekehrung gekommen ist, geheiligt ist. Er bleibt aber ein Ungläubiger, wenn er nicht - dem Vorbild seiner Frau folgend - ebenfalls Jesus Christus als seinen Heiland annimmt. Ohne das Blut Jesu Christi, das auf Golgatha vergossen wurde, wäre die ganze Welt auf ewig verdammt worden. Gerade aufgrund des Blutes des Herrn kann Gott dem Sünder das Heil anbieten.
Es geht in diesem Vers um den Sohn Gottes, nicht so sehr um die Sünde. Für das Problem der Sünde gibt es eine Lösung: das Kreuz. Die große Frage ist jedoch, wie man sich dem Opfer des Sohnes Gottes gegenüber verhält. Jesus Christus starb für alle Menschen. Er ist das Sühnopfer, nicht allein für unsere Sünden, sondern für die ganze Welt (1. Johannes 2, 2). Sein Blut reicht aus für jeden, der an ihn glaubt, für jeden Sünder der ganzen Welt (Johannes 3, 18 + 19).
Doch nehmen wir einmal an, ein Jude, der zum Christentum übergetreten und damit durch das Blut des neuen Bundes geheiligt worden ist, kehrt dem Kreuz den Rücken zu, wendet sich wieder dem Tempeldienst zu und opfert im Tempel wieder für seine Sünde. War das dann noch ein Schlachtopfer für die Sünde? Nein, denn er hat ja das Schlachtopfer für die Sünde abgewiesen. Alle Opfer im Tempel konnten ihm nicht mehr helfen. Im Gegenteil, sie klagten ihn an, dass er den Sohn Gottes mit Füßen getreten (man ließ abtrünnige Christen auf das Kreuz treten) und das Blut des Bundes für gemein geachtet hatte.
Noch ein Wort zu dem Ausdruck „mit Willen sündigen". Das Gesetz unterschied zwischen einem In-Sünde-Fallen und einem mutwilligen Übertreten des Gesetzes Gottes. Für ersteres gab es Vergebung, für letzteres nicht. In dem Zusammenhang des Textes darf man es hier auch nicht auf das Straucheln von Christen anwenden, sondern auf eine ganz bewusste Verwerfung des Kreuzes. Wer so etwas tut, gibt sich als „Widersacher" (Vers 29) zu erkennen und zieht sich zurück zum Verderben (Vers 39). Er hat nicht ausgeharrt und trägt dann auch nicht die Verheißung Gottes davon (Vers 36). Er zeigt vielmehr durch sein Abfallen, dass er nicht wiedergeboren war. Doch, so schließt der Verfasser diesen Abschnitt: „Wir aber sind nicht von denen, die sich zurückziehen zum Verderben, sondern von denen, die da glauben zur Errettung der Seele" (Vers 39).

Die Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn sehen wird

Bei dem folgenden Einwand stützt man sich auf Hebräer 12, 14 + 15: „Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn schauen wird; indem ihr darauf achtet, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide."
Häufig wird diese Stelle so verstanden, dass man einen bestimmten Stand der Heiligkeit erreicht haben müsse, um in den Himmel zu kommen. Wenn man sündigt, fällt man von der erreichten Höhe herunter und muss wieder von neuem beginnen. Der Vergleich mit dem vorhergehenden Ausdruck: „Jagt dem Frieden nach mit allen" macht bereits deutlich, dass diese Auslegung falsch ist. Hier wird nämlich nicht von einem bestimmten Grad des Friedens, den wir anstreben müssen, gesprochen. Es geht vielmehr um eine Gesinnung, die bei dem Wiedergeborenen zu finden sein muss. So ist es auch mit dem „Jagen nach Heiligkeit." Wenn jemand behauptet, ein Christ zu sein, aber nicht dem Frieden und der Heiligkeit in seinem praktischen Leben nachjagt, dann zeigt er dadurch, dass er den Frieden, den Gott schenkt, und die Heiligkeit Gottes nicht kennt. Dieser Mensch ist ein Heuchler, und er wird Gott nicht schauen!
Übrigens ist es wichtig, der Bedeutung des Begriffes „heilig" einmal nachzugehen. Die wörtliche Übersetzung heißt „abgesondert". Dabei liegt aber nicht der Nachdruck auf „abgesondert vom Bösen", sondern auf „abgesondert für Gott". So wird vom Herrn Jesus gesagt, dass er „geheiligt und in die Welt gesandt" war (Johannes 10, 36) und dass er sich für uns „heiligte" (Johannes 17, 19). Er weiht sich also dem Dienst für Gott.
Dazu ist er „abgesondert". In demselben Sinn wird von Wiedergeborenen gesagt, dass sie in Christus Jesus geheiligt sind.

Sie werden deshalb auch von Gott „Heilige" genannt. Das ist keine Anmaßung des Wiedergeborenen, sondern ein Geschenk Gottes. Doch von denen, die die Stellung von Heiligen einnehmen, erwartet Gott, dass sie auch in der Praxis ein geheiligtes Leben führen. Wer behauptet, Gott anzugehören, aber nicht nach einem Leben für Gott strebt, der heuchelt. Sein Leben ist eine Verleugnung seines Bekenntnisses. Wenn ein Gläubiger in Sünde fällt (wie Petrus), dann wird er Reue über das Böse bekunden
und seine Schuld bekennen. Er wird die Ursache für sein Fallen verurteilen
(z. B. sein Selbstvertrauen -ich werde dich nicht verlassen"). Er wird Gott um Kraft bitten und darum, dass er ihn bewahre. Damit stellt er unter Beweis, dass er der Heiligkeit nachjagt. Wer so handelt, wird Gott schauen.

Der Gebieter, der sie erkauft hat

Auch aus den Briefen des Petrus führt man einige Einwände an. So schreibt Petrus über Menschen, „die den Gebieter verleugnen, der sie erkauft hat, und sich selbst schnelles Verderben zuziehen"                          (2. Petrus 2, 1). Wie ist das zu erklären?
Der Apostel bezeichnet diese Menschen als falsche Lehrer und vergleicht sie mit den falschen Propheten in Israel. Waren die falschen Propheten wirklich Diener Gottes? Nein! Dann sind die Obengenannten ebenso wenig wirkliche Jünger des Herrn. Aber sie sind doch durch ihn als den Gebieter erkauft worden? Das ist wahr; aber was heißt das? Das hier gebrauchte griechische Wort bedeutet „Herr eines Sklaven".
Ein Sklave ist natürlich gekauft worden, und schließlich hat Jesus Christus den Preis für alle bezahlt. Der Mann in dem Gleichnis von Matthäus 13, 44 kauft nicht allein den Schatz im Acker, sondern den ganzen Acker. Dieser Mann ist Jesus Christus, und der Acker ist die Welt. Wenn jemand sich zum christlichen Glauben bekennt, dann hat er damit anerkannt, dass Jesus Christus sein Gebieter ist. Er ist also auch verpflichtet, ihm zu dienen. Wenn dieser Mensch sich später aber als falscher Lehrer entpuppt, der die Herde hinter sich her wegführen will, dann verleugnet er damit den Gebieter, der ihn erkauft hat.

Zurückkehren zum Wälzen im Kot

Im gleichen Abschnitt schreibt der Apostel Petrus von Menschen, die sich zu einem unsittlichen Lebenswandel zurückwenden und dabei Herrlichkeiten lästern. Für sie wäre es „besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, umzukehren von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot." Diese Menschen vergleicht Petrus mit einem Hund, der zu seinem eigenen Gespei zurückkehrt, und einer gewaschenen Sau, die sich im Kot wälzt                                  (2. Petrus 2, 9-22).
Auch hier wird nichts über ein mögliches Abfallen von Kindern Gottes gesagt. Es steht hier nicht: „Das Schaf kehrt zurück zu seinem Gespei", sondern „der Hund". Ein Hund kann seinen eigenen Dreck für eine Zeit aufgeben, aber er kann später wieder dazu zurückkehren. Eine Sau kann schön gewaschen sein und wird doch wieder in den Dreck zurückkehren. Ein netter Hund und eine gewaschene Sau sind dadurch jedoch nicht in ihrer Natur verändert - sie sind keine Schafe geworden. Sie sind nur für eine gewisse Zeit gereinigt. Es gibt eine ganze Reihe solcher christlichen „Hunde und Schweine", die durch die Erkenntnis Jesu Christi der Befleckung der Welt eine Zeit lang entflohen sind (Vers 20), sich dann aber doch wieder zu ihr zurückwenden. Für diese Menschen wäre es besser, sie hätten den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt; denn nun sind sie schuldiger als ein Trunkenbold oder Sittenstrolch, der dem Evangelium nie sein Ohr geliehen hat. Diese Menschen haben sich einer zeitlichen äußerlichen Reinigung ihres Lebens unterzogen, aber es kam nie zu einer schriftgemäßen inneren Reinigung. Der Apostel bezeichnet sie daher auch als „Ungerechte" (Vers 9). Sie waren zu keiner Zeit durch Glauben gerechtfertigte Sünder gewesen.

Hütet euch, dass ihr nicht aus eurer eigenen Festigkeit fallt

Der zweite Brief des Petrus enthält noch ein scheinbares Gegenargument. Man beruft sich auf Kapitel 3,17: „Hütet euch, dass ihr nicht, durch den Irrwahn der Ruchlosen mit fortgerissen, aus eurer eigenen Festigkeit fallt."
Ein Wiedergeborener kann fallen. Darum müssen wir immer wieder gewarnt und ermahnt werden. Wie viele Menschen gibt es, die einmal ein hervorragendes Zeugnis besaßen, aber dann wieder in ein sittenloses Leben zurückgefallen sind. Sie wachten nicht und verharrten nicht im Gebet, sondern fielen. Bedeutet das, dass sie verloren sind? Wenn sie wirklich wiedergeboren waren, dann ist das unmöglich. Dann ist Jesus Christus ihr Fürsprecher bei dem Vater (1. Johannes 2, 1), und der Geist Gottes beginnt mit seinem Werk der Wiederherstellung. David tat einen schrecklichen Fall, aber er sagt von Gott: „Er erquickt meine Seele" (er stellt meine Seele wieder her, Psalm 23,3). Mit einem zerbrochenen Herzen bekannte er Gott seine Schuld und bat: „lass mir wiederkehren die Freude deines Heils" (Psalm 51, 12).
Wenn Gott seine Kinder zurechtbringen will, lässt er sie manchmal bittere Erfahrungen machen. Aber er hat sie zu lieb, um sie verloren gehen zu lassen.

Auslöschen aus dem Buch des Lebens (
Offenbarung 3, 5)
Von dem Überwinder wird in Offenbarung 3,5 gesagt, dass Jesus Christus seinen Namen nicht aus dem Buch des Lebens auslöschen wird. Damit wird doch gleichzeitig ausgesagt, dass die Namen anderer wohl ausgelöscht werden können.
Dass Namen aus dem Buch des Lebens ausgelöscht werden, ist sicher; aber nicht aufgrund dieser Schriftstelle -eine solche Umkehrung dürfen wir nicht so ohne weiteres vornehmen -, sondern aufgrund von Psalm 69,28, wo prophetisch durch den Herrn gesagt wird:
Lass sie ausgelöscht werden aus dem Buche des Lebens, und nicht eingeschrieben mit den Gerechten!" Hier handelt es sich um einen messianischen Psalm, der von den Leiden Jesu am Kreuz spricht (Vers 21). Vers 28 bezieht sich deswegen auf die Widersacher Jesu Christi. Von ihnen wird gesagt: „Füge Ungerechtigkeit zu ihrer Ungerechtigkeit, und lass sie nicht kommen zu deiner Gerechtigkeit."
An dieser Stelle wird also deutlich, dass ein Mensch nicht unbedingt dadurch gerechtfertigt ist, daß sein Name ins Buch des Lebens eingeschrieben worden ist. Es bedeutet nicht, dass er damit auch ewiges Leben hat, das er verlieren würde, wenn sein Name aus dem Buch des Lebens ausgelöscht würde.
Das Buch des Lebens ist in erster Linie das Buch aller Lebenden. So sieht sich der Psalmist als Geschöpf in „seinem Buch" aufgezeichnet (Psalm 139, 16). Moses bittet, dass er um Israels willen aus dem Buch des Lebens ausgelöscht werden möge:
„Und nun, wenn du ihre Sünden vergeben wolltest!... Wenn aber nicht, so lösche mich doch aus deinem Buche, das du geschrieben hast" (2. Mose 32, 32).
Jeder Mensch ist prinzipiell ein „Lebenskandidat". Gott hat nicht im voraus ein Buch der Verdammten. Wenn jemand geboren wird, wird er in das Buch der Lebenden eingetragen und ist damit ein Kandidat für das Leben. Wenn aber jemand das Heil abweist, das Gott ihm in Jesus Christus anbietet, dann ist der Lohn der Sünde nicht nur der leibliche Tod, sondern auch das Auslöschen aus dem Buch des Lebens. Dieser Mensch hat sich des ewigen Lebens nicht würdig erachtet (vgl. Apostelgeschichte 13, 46).
Wenn die Toten einmal vor dem großen weißen Thron stehen werden, wird das Buch des Lebens dort als ein stiller Zeuge liegen. Dann stehen dort nur noch die Namen
der Gerechten. Diese Gerechten sind von Gott natürlich schon vorher gekannt. Darum spricht Offenbarung 13, 8 und 17, 8 von Gerechten, deren Namen von Grundlegung der Welt an im Buch des Lebens geschrieben sind. Es trägt daher auch den Namen: „Buch des Lebens des geschlachteten Lammes". Die Namen derer, die dort eingetragen sind, werden nicht ausgelöscht.
Das Buch des Lebens wird daher unter zwei Aspekten gesehen:
a)  als ein Buch der Lebenden, aus dem Ungläubige ausgelöscht werden,
b)  als ein Buch des Lebens des Lammes. Dann enthält es nur die Namen derer, die das ewige Leben erben.

Kann der Bruder umkommen - konnte Paulus verwerflich werden?

In 1. Korinther 8, 11 ist die Rede davon, dass der Bruder, um dessentwillen Christus gestorben ist, umkommt. Der Apostel hat in diesem Kapitel über die Verantwortung der „Starken im Glauben" gegenüber den „Schwachen" gesprochen. Nehmen wir an, da ist jemand stark im Glauben und geht in einen Götzentempel, um dort Fleisch zu essen. Er nimmt an dem götzendienerischen Ritual nicht teil; denn es geht ihm dort nur darum, Fleisch zu essen. Dazu boten die Tempel ausgezeichnete Gelegenheiten! In einem Götzen sieht dieser „Starke im Glauben" nichts - das Fleisch ist für ihn nichts anderes als gewöhnliches Fleisch.
Ein anderer Christ sieht ihn dort hingehen. Aber sein Gewissen gibt ihm nicht die Freiheit, ebenso zu handeln. Weil er aber die anderen so handeln sieht und er selbst auch gern Fleisch isst, geht er doch in den Tempel und handelt dadurch gegen sein Gewissen. Für ihn persönlich bedeutet das ein Sich -Verbinden mit den Götzen, und eine Rückkehr in die Klauen des Heidentums ist die Folge. Kann der starke Gläubige nun sagen: „Dann ist dieser, Schwache im Glauben' kein echter Christ gewesen, und ich brauche mir darüber keine Gedanken zu machen"? Nein, es ist ein Bruder, den er als solchen kennt. Durch sein liebloses Auftreten ist dieser „im Glauben schwache Bruder" in die Klauen des Heidentums geraten und  daher umgekommen. ( Dass Gott ihn zurückbringt, wenn  er ein Wiedergeborener ist, wird hier nicht behandelt, da das unsere Verantwortung  abschwächen würde.)
Dieses Argument gebraucht der Apostel nun, um die „Starken im Glauben" daraufhinzuweisen, dass sie auf das Gewissen des „schwachen Bruders" achten und nicht in einem Geist leben sollten, der sagt: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?"
Im folgenden Kapitel schreibt Paulus im Blick auf sich selbst: „Damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde" (1. Korinther 9, 27).
Und in
2. Korinther 13, 5  lesen wir: Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid." (Nach einer holländischen Übersetzung: „Oder seid ihr euch dessen nicht so sicher, dass Jesus Christus in euch ist? Sonst seid ihr nämlich verwerflich.")
Paulus vergleicht sich mit einem Leichtathleten. Er spricht von seiner Teilnahme an dem Wettlauf und von dem Kampf, in dem er steht. Mit diesen Bildern vergleicht er seine Laufbahn als Diener Gottes. Einmal unterstellt, Paulus hätte seinen Dienst, den Kampf, völlig aufgegeben. Dann wäre er kein „Teilhaber des Evangeliums" mehr gewesen (Vers 23). Dann hätte sein Leben bewiesen, dass er nur für eine Zeit ein Mitläufer war, der nun das Bekenntnis aufgegeben hatte. Die unausweichliche Folge davon wäre dann seine Verwerfung gewesen. Aber gerade die Treue, mit der Paulus seinen Dienst ausübte, beweist, dass er kein bloßer Bekenner, sondern ein wiedergeborener Arbeiter des Herrn war.
Sollte vielleicht jemand annehmen, die Schrift würde sagen: „Paulus, ruhe dich ruhig auf deinen Lorbeeren aus. Du wirst das Ziel doch erreichen"? Nein, ein Leben aus Gott beweist sich im Wandel. Ein Aufgeben des Bekenntnisses dagegen beweist, dass kein Leben aus Gott vorhanden war. Dasselbe gilt für die Korinther. Sie suchten einen Beweis dafür, dass Paulus wirklich ein Apostel Jesu Christi war. „Nun", sagt der Apostel, „fragt euch doch einmal, ob ihr glaubt. Wenn ihr darauf mit Ja' antworten könnt, dann habt ihr damit zugleich den Beweis für mein Apostelamt. Denn durch mich habt ihr das Evangelium von Jesus Christus gehört. Oder", so fährt er ironisch fort, „seid ihr euch nicht sicher, dass Christus in euch ist? Seid ihr nicht wiedergeboren? Nun, dann seid ihr verwerflich!" Damit ist aber nichts über ein Abfallen von Kindern Gottes ausgesagt. Diese Korinther hätten ja gerade feststellen müssen, dass sie nie Kinder Gottes gewesen waren.

Wenn der Gerechte . . .

Schließlich gibt es noch zwei Stellen über den „Gerechten". Die erste finden wir in                      Hesekiel18, 24. Dort steht, dass ein Gerechter sterben wird, wenn er von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut.
Es ist eigenartig, dass man diese Stelle anführt, um das Evangelium der Gnade Gottes, das im jetzigen Zeitalter geoffenbart wird, in seiner Kraft einzuschränken. Lesen Sie bitte einmal das ganze Kapitel. Gott sagt darin, dass ein sündiger Mensch leben wird, wenn er sich vom Bösen abwendet, die Armen gut behandelt, keinen Wucher treibt usw. Müssen wir das etwa den Menschen unserer Zeit als Evangelium vorstellen? Das ist eindeutig Gesetz. Nehmen wir an, ich würde als Evangelist einem Betrunkenen sagen: „lass das Trinken sein und werde ein guter Familienvater, dann wirst du leben." Wäre ich dann wirklich ein Diener des Evangeliums? Sicher nicht. Dann würde ich diesen Mann mit leeren Versprechungen abspeisen. Aber ich darf auch nicht umgekehrt sagen: „Gerechter, wenn du in Sünde fällst, dann stirbst du aufgrund von Hesekiel 18." Ich gebe dann den Ausdrücken „Gerechter", „leben" und „sterben" einen neutestamentlichen Sinn, den sie in Hesekiel 18 nicht haben. Dort wird weder von dem Gerechtfertigt sein in Jesus Christus gesprochen noch vom ewigen Leben und ewigen Tod.
Die zweite Stelle ist noch weniger als Argument geeignet. Man verweist auf 1. Petrus 4, 18:Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?"
Hier steht nämlich nicht, dass es Gerechte gibt, die doch verloren gehen werden. Diese Stelle bietet nicht den geringsten Anhalt für ein Gegenargument. Gott macht deutlich, dass der Gerechte errettet wird. Doch der Weg des Gerechten geht durch allerlei Übungen, wie Vers 12 ff. zeigen. Gott gebraucht diese Übungen zur Läuterung seines Hauses, denn Gott kann bei seinen Kindern nichts Verkehrtes dulden.
Hier gilt dasselbe, was Gott in Israel sagt: „Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt, darum werde ich alle eure Missetaten an euch heimsuchen" (
Amos 3, 2).
Wenn alle Christen bereits hier auf der Erde praktische Vollkommenheit erreichen würden, dann müsste keine Läuterung mehr stattfinden; weil das aber nicht so ist, kann Gott nicht darauf verzichten. Wenn nun Menschen, die durch das Blut Jesu Christi gerechtfertigt worden sind, mit Not errettet werden, wo will dann der Sünder erscheinen, dessen Sünden nicht durch das Blut Jesu Christi abgewaschen sind?
Auf ihn wartet das ewige Gericht. Aber der Gerechte wird errettet werden, wenn auch mit Not und großer von Gott angewandter Mühe.

Zwei Fäden
Aus diesen Ausführungen können wir die Schlussfolgerung ziehen, dass es zwei Arten von Schriftstellen gibt. Eine Reihe Stellen sprechen bedingungslos von der Errettung der Kinder Gottes, weil das Werk in ihrer Seele das Werk Gottes ist. Andere zeigen, dass jemand, der Christ zu sein bekennt, dem christlichen Glauben und Wandel abschwören kann.
Wie sollen wir beide praktisch auf uns anwenden? Wir sollten das Wort Gottes so sprechen lassen, wie es der jeweiligen Situation angemessen ist. Anders ausgedrückt:
Eine bestimmte Botschaft richtet sich auch an einen bestimmten Adressaten! So ist das Wort: „Ihr Männer, liebet eure Weiber" an die Männer gerichtet und nicht an ihre Ehefrauen. Und die Ermahnung: „Ihr Weiber, seid euren Männern Untertan" ist an die Frauen gerichtet und nicht an ihre Ehepartner. Nun kann es jedoch vorkommen, dass der Mann seiner Frau „ihre Stelle" um die Ohren schlägt und umgekehrt. Dasselbe kann auch mit diesen beiden Gruppen von Schriftstellen passieren. Um mit einem Missionar aus Thailand zu sprechen:
„An diesen beiden Gruppen von Schriftstellen hängen sozusagen zwei Fäden. Ein Gläubiger, der keiner verkehrten Lehre anhängt und keinen schlechten Wandel führt, aber an seiner Errettung zweifelt, weil er auf sich selbst sieht, muss an dem Faden der ersten Gruppe von Schriftstellen ziehen. Jemand, der Christ zu sein bekennt, dessen Leben aber nicht mit seinem Bekenntnis übereinstimmt, muss an dem Faden der zweiten Gruppe ziehen. Leider versteht es Satan sehr geschickt, die Fäden zu verwirren. Der zweifelnde Christ bezieht dann die Ermahnungen der zweiten Gruppe auf sich und verzweifelt. Der Christ, der einen schlechten Lebenswandel führt, stützt sich auf die erste Gruppe und versucht so, sein Gewissen zu beruhigen."
Der eine Faden ist die Linie der Gnade, der andere die Linie der Verantwortung. Beide müssen wir biblisch anwenden.

Zurechtbringen

Wir sind als Christen nicht auf uns selbst gestellt. Wir sind füreinander verantwortlich                                        (1. Korinther 12,25 + 26). Wie sollen wir nun im Blick auf die beiden erwähnten Beispiele einander dienen? Im ersten Fall ist das nicht so schwierig. Einem zweifelnden Gläubigen sollten wir die Ergebnisse des Werkes Jesu Christi deutlich zu machen versuchen. Meistens entsteht Zweifel dadurch, dass man von sich selbst enttäuscht ist. Das Entdecken der sündigen Natur und Versagen im praktischen Leben sind die häufigsten Ursachen des Zweifelns. Diese Gläubigen haben Unterweisung nötig. Sie müssen lernen, dass Jesus Christus nicht nur für sie gestorben ist, sondern dass sie auch mit ihm gestorben sind; dass Gott sie nicht mehr in ihrem sündigen Zustand vor der Bekehrung sieht, sondern sie in Jesus Christus als eine neue Schöpfung betrachtet. Ihr Blick muss auf Jesus Christus, den Hohenpriester, gerichtet werden, der Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, weil er in allen Dingen versucht wurde wie wir (Hebräer 2, 18; 4, 15 + 16). Er kommt uns zu Hilfe.
Im zweiten Fall ist die Sache etwas schwieriger. Wir sollten versuchen, diese Christen so zurechtzubringen, wie Paulus die Galater ermahnt: „Brüder! Wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen wieder zurecht im Geist der Sanftmut, indem du auf dich selbst siehst, dass nicht auch du versucht werdest" (Galater 6, 1).

Aber wie? Hier sind zwei Fälle möglich.

Es kann sein, dass ein Wiedergeborener in Sünde gefallen ist und in Reue seine Schuld vor Gott bekannt hat. Dann dürfen wir ihn auf Jesus Christus, den Fürsprecher bei dem Vater, hinweisen (1. Johannes 2, 1) und ihm sagen: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt." Dieser Gläubige hat Ermutigung und Ermahnung nötig, um nicht wieder in Sünde zu fallen. Es kann auch sein, dass jemand weiter in Sünde lebt und eiskalt sagt: „Aber ich bin doch errettet, denn ich bin ein Kind Gottes." Sollten wir ihn dann darin bestärken, indem wir auf die Gnade Gottes hinweisen, die das Werk seiner Hände nicht umkommen lässt? Auf keinen Fall!
Denn wer sagt uns, dass dieser Mensch wirklich wiedergeboren ist? Wir können nicht in sein Herz sehen. Das Bekenntnis seines Glaubens steht im Widerspruch zu dem Bekenntnis seines Wandels. Diesen Mann dürfen wir nicht auf die Gnade Gottes hinweisen, sondern vielmehr auf die Verantwortung des Christen. Für ihn gilt: „Wenn ihr nach dem Fleische lebt, so werdet ihr sterben" (Römer 8, 13).
Er lebt als ein Feind des Kreuzes Christi, dessen Ende Verderben ist. Dieser Mensch befindet sich auf dem Weg zum Verderben. Und das sollten wir ihm vorhalten.
Wenn er aber wirklich ein Kind Gottes ist? Gott weiß es und wird es von diesem Weg retten. Angenommen, ich gehe mit meinem Kind an einen Kanal. Das Kind will die Böschung hinunterlaufen und sich ins Wasser stürzen. Sage ich dann: „Lauf ruhig, ich werde dich schon noch früh genug retten"? Nein, ich sage: „Wenn du das tust, ertrinkst du." dass ich es aber als Vater nicht so weit kommen lassen werde, ist eine andere Sache.
Diese Christen sollten wir strafen. Wenn wir sie dadurch von einem Irrweg abgebracht haben, können wir sagen, dass wir - ähnlich wie in dem gerade erwähnten Beispiel -eine Seele vom Tod errettet haben (Jakobus 5, 19 + 20).
Gottes Gnade ist groß. Aber unsere Verantwortung ist ebenfalls groß. Es ist mein herzlicher Wunsch, dass durch dieses Büchlein beides ins rechte Licht gerückt worden ist.


M
ein Dank und ewige Anbetung gilt daher dem HERRN aller Herren - Jesus Christus. Gott befohlen Edward Gruber


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